ein kleines stückchen weiter noch 🇳🇴

#tilmannontour – Die Nordküste Norwegens mit dem Fahrrad zu bereisen ist… mir fehlen die Worte

Tag 460 bis 466 (6.07. bis 12.07.23)
Distanz: 551 km (∑ 25.429 km)
Höchster Punkt: 430 m
Tiefster Punkt: 5 m
Rauf: 5.980 m
Runter: 6.110 m

Wäre ich doch früher aufgestanden, dann wäre das Zelt jetzt nicht nass! Naja, andererseits hätte ich dann wohl im Regen frühstücken müssen. Ein Elend ist das! Wie schon am Vortag wurde es aber im Laufe des Tages freundlich genug, dass ich das Zelt bei einer Pause auf der Veranda einer verlassenen Sami-Hütte trocknen konnte. Ich war inzwischen am höchsten Punkt der Hochebene zwischen Olderfjorden nach Alta angekommen und genoss die Aussicht trotz der kräftigen Brise. Auf dem Weg hier herauf war ich an den beeindruckenden Wassermassen des Repparfjordalen vorbei gekommen und hatte Radfahrerinnen um Radfahrer gegrüßt, die mir entgegenkamen. Nie zuvor auf der Reise waren mir so viele (zumindest im Hinblick auf Reisemittelwahl) Gleichgesinnte begegnet.

Allerdings waren bisher all jene, denen ich in Skandinavien begegnet war mehr oder weniger exklusiv hier unterwegs gewesen. Eine oder einen echten Langzeitreisende*n hatte ich bisher nicht getroffen. Das sollte sich an diesem Rastplatz ändern, allerdings deutlich gegen den initialen Willen dieses Pärchens, dass sich aus offenkundigem Desinteresse an einer Kontaktaufnahme die Nachbarhütte zum Rasten aussuchte, obwohl diese viel schlechter geeignet war. Beim Aufbrechen drückte ich den Zweien dann aber doch eine Unterhaltung aufs Auge und so erfuhr ich, dass sie zwar erst zwei Monate unterwegs waren, aber noch in die Türkei und irgendwie nach Afrika weiterreisen wollten. Dann erlöste ich die beiden und machte mich an die Abfahrt nach Alta. Trotz der vielen Radreisenden erweckten diese, also auch ich, immer wieder großes Aufsehen. Als ich die Tage einmal auf einer Bank rastete, tauchten nach und nach zwei Reisebusse aus Mecklenburg-Vorpommern an meinem Tisch auf. Viele Male musste ich meine Geschichte von neuem erzählen und sorgte immer wieder für offene Münder.

Wer annimmt, dass ich mich nun wegen anhaltendem Nordwind mit Rückenwind fortbewegen konnte, der täuscht. Erstens fuhr ich ja überwiegend gen Westen und zweitens hatte der Wind inzwischen gedreht und kam natürlich aus Westen. So erreichte ich Alta relativ spät und da das städtische Schwimmbad bereits um fünf geschlossen hatte und mir die einzige Couchsurferin der Stadt wegen Krankheit eine Abfuhr erteilt hatte, musste ich einen weiteren Tag ohne Dusche auskommen. Das dem UNESCO-Welterbe zugehörige Felsenmalerei-Ensemble war ebenfalls bereits geschlossen und so beließ ich es dabei, mir die futuristische Polarlicht-Kathedrale von außen anzuschauen und Alta noch am Abend hinter mir zu lassen.

Einen Schlafplatz, den ich ansonsten nie im Leben entdeckt hätte, da er rund einen Kilometer abseits der E6 am Ende eines Trampelpfads lag, fand ich schließlich über iOverlander. Zu meiner Überraschung befand sich dort an einem See ein mächtiges Tippie, in dessen Inneren eine Feuerstelle war, um die herum kreisförmig Bänke angeordnet waren und Rentierfelle von den Zeltstangen hingen. Es war allerdings trotzdem etwas ungemütlich im Inneren und so entschied ich mich dafür mein Zelt vor dem Tippie aufzuschlagen. Ohne wäre es ohnehin auch drinnen nicht gegangen, denn es waren schon wieder allerlei Moskitos unterwegs.

Das sich mir beim Folgen der Küste bietende Panorama war nun endgültig dermaßen bezaubernd, dass ich mich in fortwährender Entzückung befand. Slatibartfast hatte seinen Preis definitiv mehr als verdient und ich fragte mich wieso er eigentlich nicht noch 41 weitere erhalten hatte. Um 10 Uhr knackte ich dann an einem verhältnismäßig unspektakulären Abschnitt die 25.000 km Marke, schoss aber trotzdem gewissenhaft eben dort das Triumphfoto. Wir hatten das schon bei Kilometer 5.000, 10.000, 15.000 und 20.000 so gemacht, was ehrlich gesagt ziemlicher Unsinn war, da unsere Zählmethode durch das GPS-Tracking ja ohnehin nicht kilometerscharf ist. Vielleicht hätten wir es halten sollen, wie die anderen Radreisenden, die nach ihrem Instagram-Accounts zu schließen ihre runden Kilometermarken immer an besonderen Sehenswürdigkeiten zu knacken scheinen. Apropos andere Radreisende: Eine weitere bemerkenswerte Begegnung ereignete sich an diesem Tag als ich Claudia und Erik vor einer Tunnel-Umfahrung warnte, die in einer erodierten Straße endete. Ich war selbst gewarnt worden und musste die Erfahrung nicht selber machen. Gut, dass ich mich dazu entschieden hatte die Warnung weiterzutragen, denn so blieben wir in Kontakt und sollten uns Wochen später in Hamburg wieder treffen.

Es wurde wieder warm an diesem 461. Tag der Reise und so freute ich mich als mir nachmittags aus einem Auto heraus eine eiskalte Cola geschenkt wurde. Fast fühlte ich mich an unsere Zeit im Orient erinnert.

Hier ein Fjord, da ein Tunnel durch den Berg, dort eine Fischerhütte und überall kristallklares Wasser. Nach meinem Dafürhalten gebührt der Küste Nordnorwegens ohne Frage ein Platz unter den Top 10 der schönsten Landschaften auf dem Planeten. Einzig der Schlafplatz an jenem Tag, ich hatte nach gut 100 km wirklich genug und merkte, dass ich dringend einmal einen Pausetag einlegen müsste, war verhältnismäßig uncharmant auf einer Schotterfläche hinter einer verlassenen Gewerbeimmobilie. Er erfüllte seinen Zweck dennoch.

Zunächst war mein Plan gewesen vom Nordkapp aus den direkten Weg in Richtung Helsingborg, Schweden zu nehmen, was allerdings bedeutet hätte, die Küste umgehend zu verlassen und sogar noch einmal ein Stück durch den nordwestlichen Finger Finnlands zu fahren. Ich konnte mich aber von der Pracht dieser Landschaft nur unheimlich schwer lösen und vertröstete Julia nun Tag für Tag damit, wenigstens noch einen Tag länger dem Ufer des Nordmeeres folgen zu wollen. Täglich plante ich die Route um bzw. bat Julia im Backoffice verschiedene Varianten auch im Hinblick auf die zu überwindenden Höhenmeter zu vergleichen.

Höhenmeter kamen auf mich jedenfalls an diesem Tag wieder einige hinzu, denn die E6 wich ein Stück ins Landesinnere zurück, um sich über den 401 Meter hohen Kvänangsfjellet zu wuchten. Auf etwa der Hälfte des Anstiegs befand sich die Baustelle für einen neuen Tunnel, was mich wenig verwunderte, da Tunnelbau in Norwegen eine beliebte Freizeitbeschäftigung zu sein scheint.

Abends erreichte ich das Dörfchen Olderdalen, dass ich mir auch als Tagesziel gesetzt hatte, da iOverlander dort ein Bett in einem Hütten-Dorm für 100 Norwegische Kronen, also knapp 9 Euro in Aussicht gestellt hatte. Dieser Preis war ja kaum zu glauben! Als ich am Standort angekommen war, entdeckte ich dort lediglich ein frühstücksbrettgroßes Hinweisschild, das tatsächlich auf „cabin 100 nok“ hinwies. Dem gegenüber auf einer Bank vor sich hin träumende Nautiker mit Berufserfahrung auf einer deutschen Helgoland-Fähre konnte ich die Information entlocken, wo ich jemanden finden konnte, der mir auch Einlass gewährte. Wobei, da alle Hütten offen standen, ich das im Notfall auch alleine geschafft hätte.

Tatsächlich kam eine junge Dame zur Tür, die, obwohl die Vermietung der Betten offensichtlich nur so nebenbei lief, schließlich wurde ja keinerlei Werbung gemacht und ich war auch der einzige Gast, ein Kartenlesegerät an ihrem Telefon hatte. So hatte ich eine zwar sehr einfache aber auch sehr gemütliche Unterkunft zum halben Preis eines Zeltplatz-Stellplatzes ergattert, die mit ihrer kleinen Kochnische und der heißen Dusche auch keine Wünsche offen ließ. Und wie gesagt: Zwar handelte es sich um ein Vier-Bett-Zimmer, aber da ich der einzige Gast war, hatte ich meine kleine Privathütte, was sich auch nicht änderte, als ich mich am Morgen des nächsten Tages dazu entschlossen hatte, das dies ein geeigneter Spot für einen Ruhetag war. Das war aber auch Zeit, denn wie ich feststellte war ich seit dem Aufbruch vor 14 Tagen in Neu-Planig bereits 1.668 km (119 km pro Tag) ohne Pause gefahren.

Den Pausetag hatte ich unter anderem damit verbracht, zu überlegen, wie ich nun weiterfahren wollte und hatte festgestellt, dass ich mich direkt neben dem kleinen Hafen mit der Fähre nach Lyngseidet befand. Egal wie es von Lyngseidet weiter gehen würde, wollte ich mir diesen kleinen Luxus gönnen und stand am 10. Juli pünktlich um 8:15 Uhr am Hafen, um an Deck zu rollen. Der Transport von Fußgänger*innen und Fahrrädern ist auf allen Fähren kostenlos, da es der norwegischen Regierung daran gelegen ist, umweltfreundliche Transportmittel zu fördern. Der Anteil von Elektro-Pkw an der Gesamtflotte liegt übrigens bereits bei 15% (im Vergleich Deutschland: 3,9%), was man an den vielen Teslas, die auf den Straßen unterwegs waren, auch signifikant wahrnehmen konnte. Die Fähre selbst war übrigens ebenfalls elektrisch betrieben.

Die Wolken hingen wieder tief an diesem Morgen, aber während der 13 km langen Überfahrt und auch im Anschluss blieb Regen aus, während der Himmel immer weiter aufklarte. In Lyngseidet angekommen, wollte ich eigentlich der 868 in Richtung Süden folgen, stellte jedoch fest, dass ich alternativ auch weiterfahren konnte nach Svensby, von wo eine weitere Fähre nach Breivikeidet fuhr. Von dort wiederum ließ sich Tromsø mit dem Fahrrad erreichen, von wo eine Brücke auf die Insel Kvaløya führte.

Ich teilte Julia mit, nur noch ein klein bisschen weiter der Küste folgen zu wollen und schon waren meine diversen Alternativpläne von einer neuen Idee zunichte gemacht. An einem malerischen Fjord entlang war es nicht weit bis zum Fährhafen Svensby, wo ich einen Radreisenden aus Deutschland mit einem sündhaft teuren Falkenjagd-Reiserad mit Titan-Rahmen (ca. 10.000 Euro) traf. Wir stellten fest, am selben Tag am Nordkapp gewesen zu sein und ich erinnerte mich dunkel daran, sein Fahrrad tatsächlich irgendwo im Nebel ausgemacht zu haben. Er räumte allerdings ein, den Nordkapptunnel per Bus übersprungen zu haben, womit er sich in Sachen Wagemut und Realness in meinen Augen natürlich ein paar Minuspunkte einheimste. Ich sollte später noch tiefere Abgründe über ihn erfahren.

Da das Gespräch sehr einseitig durch mich am Leben gehalten werden musste, begann ich irgendwann einfach weiter an unserem Blog zu arbeiten, während wir auf die Fähre warteten. Da wir bei der Überfahrt genauso weiter verfuhren, war mein Gefühl, dass sich unsere Beziehung meinem Empfinden nach soweit abgekühlt hatte, dass es nun selbstverständlich erschien, wenn jeder seiner Wege gehen würde, auch wenn wir beide in Richtung Tromsø unterwegs waren.

So trat ich ordentlich in die Pedale, aber der Falkenjäger hing mir noch eine ganze Weile schweigend am Hinterrad. Schließlich jedoch teilte er mir mit, das Tempo nicht halten zu können und verabschiedete sich mit den Worten: „wir sehen uns“, was ich (letztendlich zu Recht) bezweifelte.

Gegen halb vier erreichte ich Tromsø, aber da ich bei den ortsansässigen warmshowers-hosts ohne Erfolg geblieben war und mir die Stadt auch nicht besonders gefiel, fuhr ich nach einer Pause in der Mall, bei der ich meine erst in Tallin erworbenen Kopfhörer verlor, weiter in Richtung Westen.

Die mächtige Brücke nach Kvalöya verfügte zwar über eine Fahrradspur, diese war aber kaum breiter als 1,5 m und da ein ordentlicher Wind pfiff, mit dem ich meine liebe Mühe hatte, wurden die zahlreichen Situationen mit Gegenverkehr zu echten Zitterpartien.

Ein traumhaftes Nachtlager fand ich weit nach 21 Uhr an einem Fjord, wo sich vor mir zwar eine bedeutende Anzahl anderer Reisender mit Motorrad, Wohnmobil und Fahrrad niedergelassen hatten, aber das Areal war weitläufig und alles lag bereits in friedlicher Stille dar.

Auf dem Weg nach Brensholmen, umrundete ich am nächsten Morgen einen malerischen Neben-Fjord, um das sich das Fischerdorf Sjötun schlängelte. Bei traumhaftem Wetter beobachtete ich einen Fischotter, der von einem Steg in das vor lauter Klarheit fast unsichtbare Wasser sprang, während sich allerlei Seevögel lautstark unterhielten. Ich war früh genug unterwegs, dass außer mir noch kaum jemand auf der Straße war und ich konnte nichts anderes denken als „hail to Slatibartfast!“

Schon stand die nächste Fährfahrt an, denn der einzige logische weiterführende Weg war mir nun vorgegeben: Die Insel Senja war das nächste Ziel, deren Besuch mir unterwegs wärmstens ans Herz gelegt worden war. Auf den Fjord folgte ein Tunnel, natürlich, und auch im fast perfekten Norwegen funktionierte der „Radfahrer*innen im Tunnel“ Alarm, den man selbst angehalten war durch Tastendruck zu aktivieren, wie schon in der Türkei, nicht.

Wie aber auf Senja weiterfahren? Dem Euro-Velo 1 folgen und damit der Touristenroute entlang des nördlichen Teils der Insel bis Gryllefjord, um dort die Fähre nach Andenes auf Andøya zu nehmen, oder in Richtung Süden abbiegen, um von Silsand über die Brücke nach Finnsnes zu gelangen. Ich einigte mich mit mir selbst auf eine spontane Entscheidung an der entsprechenden Kreuzung. Dort angelangt hielt ich es für den richtigen Weg dem Euro-Velo zu folgen, musste mich aber zunächst relativ eilig ins Gebüsch schlagen. Dort lauerte allerdings eine gewaltige Horde Mücken, Fliegen und Bremsen, die sich sogleich über mich hermachten. Ich hatte allerdings keine Muße mehr für einen erneuten Ortswechsel und musste das Martyrium also über mich ergehen lassen. Beim Verlassen des Gebüschs war ich dann wieder in der Lage mich zu wehren, hatte aber in der Zwischenzeit soviel einstecken müssen, dass ich meinte zum Gegenangriff übergehen zu müssen. Diesen übertrieb ich offenbar ein wenig, verlor dabei irgendwie das Gleichgewicht bis ich stürzte, um festzustellen, dass unter der dünnen Grasdecke ein veritables Moor lauerte, in welchem ich fast vollständig versank.

Jetzt war ich zerstochen und fast vollständig von Schlamm bedeckt und konnte so auf keinen Fall weiterfahren. Ich brauchte also irgendein Gewässer, um mich und meine Klamotten zu waschen und dieses war zur Abwechselung mal nicht unmittelbar um die Ecke. Schließlich fand ich einen schon durchaus als reißend zu bezeichnenden Fluss, wo sich mein Vorhaben grundsätzlich umsetzten ließ. Leider war ich hierher von dem Stechfliegenschwarm verfolgt worden, sodass auch diese halbe Stunde mehr von Flachhand-Hieben und Stichattacken geprägt war, als einer effizienten Erledigung des eigentlich Gewolltem. Ein insgesamt mehr als erbärmliches Intermezzo.

Ziemlich fertig mit den Nerven entschied ich, dass dies vielleicht ein Zeichen gewesen war, um nun doch den Weg nach Süden einzuschlagen. Dort lag nach wenigen Kilometern ein Rastplatz an der Straße und ich hielt es für angezeigt, dort noch einmal ein wenig zu verschnaufen und mich zu stärken. Am Ende dieses Prozesses war in mir der Gedanke gereift, dass es sicher einen Grund gegeben hatte den Euro-Velo so zu legen wie er lag und drehte wieder um. Schließlich soll die Inselgruppe der Vesterålen, die zu denen Andøya zählt, ähnlich schön sein wie die Lofoten, jedoch touristisch längst nicht so überlaufen.

Bald merkte ich, dass schon Senja tatsächlich sehr sehenswert ist, aber gleichzeitig schien sich langsam fast eine Übersättigung an derlei Natureindrücken einzustellen. Wenn man Slatibartfast zu seiner Arbeit etwas vorwerfen kann, dann, dass er vielleicht hier und da etwas kleckern statt klotzen hätte sollen. Hinzu kam, dass sich das Flugungeziefer hier erstmals seit dem finnischen Lappland wieder von seiner besonders hartnäckigen Seite zeigte und ich mich wie eine Kuh auf der Weide fühlte, während ich mich mal wieder ein paar Höhenmeter heraufquälte.

Aufgrund des oben beschriebenen peinlichen Zwischenfalls und anschließender Entscheidungsschwierigkeiten, war nicht mehr daran zu denken, die letzte Fähre nach Andenes noch zu erreichen. Nachdem ich durch etwa 25 Tunnel in teils prekärem Zustand einen Großteil der Strecke hinter mich gebracht hatte, wählte ich daher einen mittelmäßigen Platz nahe der Straße, an dem aber wenigstens eine Bank-Tisch-Kombination für eine bisschen Komfort sorgte. Exakt als ich mit allen Vorbereitungen auf die Nachtruhe fertig war, brach ziemlich unvermittelt (Ok, eigentlich hatten es die Wolken verraten, aber ich wollte es nicht wahrhaben) ein stürmisches Gewitter über mir zusammen. Als ich daraufhin zusah schleunigst im Zelt zu verschwinden, sah ich noch eine Gruppe von sechs Radreisenden aus Richtung Gryllefjord heranrasen und hastig ihre Zelte auf der Wiese unterhalb meines Lagerplatzes aufbauen. Diesmal war das Glück mir hold gewesen.

Am Morgen war wegen der früh aufgehenden Sonne schon alles wieder trocken und ich kam schnell aufs Rad. Senja zeigte sich jetzt von ihren wohl allerbesten Seiten und präsentierte mir seine türkisblaue Buchten mit kleinen Inselchen mit kleinen Hütten darauf. Irgendwann überholte mich ein VW-Bully und bat mich anzuhalten. Den Fahrer erkannte ich auf den zweiten Blick, ich hatte ihn am Nordkapp getroffen und er war ganz begeistert von meinem kurzen Reisebericht gewesen. Jetzt nutzte er die Gelegenheit über andere Radfahrer zu lästern, die ihn weniger beeindruckt hatten. Da sei am selben Tag, als wir uns getroffen hatten, einer oben gewesen, mit so einem sündhaft teuren Falkenjagd-Rad. Aber offenbar habe ihm auch das wahrscheinlich teuerste Reiserad auf dem Markt nicht befähigt das Nordkapp tatsächlich mit dem Rad zu erreichen, denn der Blender sei in Olderfjorden in den Bus gestiegen (also doch nicht nur eine Tunnel-Vermeidung), aber Hauptsache sich dann feiern zu lassen, man sei mit dem Rad ans nördlichste Straßenende Europas gefahren. Und zurück ja wieder mit dem Bus! Und dann schliefe der auch noch jede Nacht auf dem Campingplatz, so eine Flöte! Naja, die Fähre ginge ja bald, er wolle mich ja auch nicht weiter aufhalten.

Wie angenehm es war, dass man als Radfahrer immer an den endlosen Kraftwagen-Schlangen vor den Fähren vorbei fahren durfte. Das wurde ja nicht nur geduldet, sondern erbeten, damit man zügig unter Deck verschwinden und sein Fahrrad sicher in den dafür vorgesehenen Bereichen abstellen konnte.

Die nun folgende Überfahrt war ganze 40 km weit und damit die längste meines gesamten norwegischen Insel-Hoppings. Ab meiner Ankunft auf Andøya ging es nun bis auf weiteres ziemlich straight nach Süden. Und was meint ihr was inzwischen passiert war? Richtig, der Wind hatte gedreht und kam jetzt aus Richtung Süden.

Bevor mir das so richtig zu schaffen machte, erlebte ich aber noch einmal eine Steigerung in Sachen schöner Natur. Es kamen an Andøyas Nordküste jetzt noch weiße Strände zu den Bergen, der pflanzlichen Farbenpracht und dem lupenreinen türkisen oder tief blauen Wasser hinzu. Nicht zum ersten mal staunte ich über die üppige Vegetation und die wundervolle Pracht an Blüten, die sich in dem kurzen nordischen Sommer in Rekordzeit entwickeln mussten. Zweifelsohne half ihr dabei natürlich die kaum endende Sonneneinstrahlung rund um die Uhr.

Wenn die Vesterålen schon so schön waren, würde ich nicht etwas verpassen, wenn ich nicht auch noch die Lofoten erkunden würde? Natürlich bedeutete das, dass sich die Trennung von Julia noch länger hinziehen würde, was mir nun auch gar nicht recht war.

Auf dem der Westküste folgenden Weg Richtung Süden nahm der Gegenwind jetzt aber erst einmal wieder derartig zu, dass es mir nach wenigen Kilometern zu blöd wurde. Gemäß Wettervorhersage sollte der Wind zwischen 17 und 18 Uhr etwas nachlassen. Jetzt war es knapp 15 Uhr. Ich suchte mir also einen Windschutz auf der Veranda einer Hütte, packte meinen Schlafsack aus und wartete ab. Als ich mich später wieder aufs Rad schwingen würde, sollte ich es lange nicht mehr abstellen. Ich hatte eine Entscheidung getroffen.

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5 Gedanken zu “ein kleines stückchen weiter noch 🇳🇴

      1. Entweder der Text war mit besonders viel Humor geschrieben oder ich trug das beim Lesen in meinem Herzen. ♥️

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