im reich der dattelpalmen und endlosen wasserströme 🇴🇲

Oman: Paradies für Radfahrer

Tag 198 bis 206 (17.10.22 bis 25.10.22)
Distanz: 660 km
Höchster Punkt: 1.190 m
Tiefster Punkt: 40 m
Rauf: 4.810 m
Runter: 4.400 m

Ein Duft von Minze lag uns in den Nasen, als wir erwachten. Wir hatten unser Zelt am Rande einer Pfefferminz-Plantage aufgeschlagen und hörten nun die Klingen der Scheren aneinander vorbei gleiten und die Stimmen der Ernter, die bereits am Werk waren.

Zwei Tage zuvor waren wir bei Jon in Damac Hills aufgebrochen, um auf kurzem Weg durch die Emirate schnell in den Oman zu kommen, der uns bereits von Iris und Jan als Fahrradfahrer-Paradies angepriesen worden war. Wir folgten der E66, einem Highway, der uns nach Al Ain zum Grenzübergang führen sollte. Ca. 500 Meter, nachdem wir auf diese Fernstraße aufgefahren waren, informierte uns ein Schild, dass Fahrradfahren hier verboten sei. Zurück konnten wir nun nicht mehr, da dies gefährlicher gewesen wäre, als weiter zu fahren und die nächste Ausfahrt, war erstmal in weiter Ferne. Die 66 war allerdings 3-spurig, nicht stark befahren und mit komfortabeln Seitenstreifen versehen, sodass wir entschieden, die Autofahrer sollten sich mal nicht so haben und einfach hofften, die Polizei würde uns nicht entdecken.

Die Autofahrer störten sich jedenfalls nicht an uns, ganz im Gegenteil, wir wurden mal wieder mit zuckerhaltigen Speisen und Getränken sowie, mal was anderes, mit Basilikum versorgt, und die Polizei ließ sich nicht blicken. Mit Zwischenstopp in einem Park an der Grenze zwischen den beiden Emiraten Dubai und Abu Dhabi zur Übernachtung (einschließlich Dusche am Morgen durch den Rasensprenkler) schafften wir es in zwei Tagen in den Oman und überschritten noch spät Abends die Grenze.

Der nächtliche Grenzübertritt war allerdings ein Stück weit aus der Not geboren, da wir in der Region rund um al Ain, wo sich die Emiraten einmal von ihrer ganz unprätentiösen Seite zeigten, keine geeignete Schlafmöglichkeit hatten finden können. Der Grenzübertritt selbst war ebenfalls wenig erfreulich da wir in den Emiraten zunächst eine stattliche Ausreisegebühr entrichten mussten, von der vorher nie die Rede gewesen war, und der omaische Grenzbeamte tatsächlich meinte alle unsere Taschen kontrollieren zu müssen.

Gleich am nächsten Morgen sollten wir mit den Machtstrukturen im Oman in Berührung kommen. Ein turbantragender Mann schaute kritisch durch das Fliegengitter unseres Zeltes (seit Armenien schlafen wir ohne Überzelt, da es nicht mehr regnet und es mit Überzelt noch heißer wäre). Wir waren entrüstet, mussten aber hinnehmen, dass wir wohl auf seinem Grund und Boden weilten und uns dieses Verhalten wohl gefallen lassen mussten. Beim Frühstück beobachteten wir ihn und seine Erntehelfer, die wahrscheinlich aus Bangladesch stammten. Der omanische Grundbesitzer saß neben ihnen, führte seine Gebetskette durch die Finger und beobachtete jeden Handgriff. Selbst legte er nicht Hand an, blieb aber zur dauerhaften Observation bei den Arbeitern. Diese Arbeitsverteilung sollten wir noch häufig in diesem Land erleben.

Das Dorf in das uns die Grenzanlage am späten Abend des Vortages ausgespuckt hatte, bestand nur aus ein paar Bauernhöfen, einer Lkw-Werkstatt, einem Imbiss und einem winzigen Lebensmittelgeschäft. Keiner dieser Gewerbetreibender hatte WLAN, keiner akzeptierte Kreditkarte. Auf der unbefestigten Straße fuhren Lkw hin und her und staubten uns ein, als wir zu der Erkenntnis kamen, dass wir in die nächste Stadt fahren mussten, um uns mit Cash und Data zu versorgen.

Eigentlich wollten wir in die andere Richtung aufbrechen, denn im Grunde waren wir aus dieser Richtung gestern gekommen. Al Buraimi bildete die omanische Seite der beiderseits der Grenzen gewachsen Agglomeration gegenüber von Al Ain, durch das wir am Vortag gefahren waren, doch man hatte uns gesagt, dass dort keine Grenzübertritt möglich sei. Da auf dem Weg in das Hadschar-Gebirge lange Zeit keine größere Siedlung mehr kommen sollte, mussten wir wohl oder übel in das 20 Kilometer entfernte Al Buraimi zurück fahren.

Die Stadt war jedenfalls groß genug, um alles zu bieten was Grenzübergänger so brauchen. Allerdings wurde uns weiterhin nichts geschenkt. Zunächst wollte die Wechselstube nur Geld rausrücken, wenn wir eine omanische Telefonnummer angaben. Der Handyladen wiederum wollte bar bezahlt werden und wir befürchten schon versehentlich in Fantasien eingereist zu sein, zwei Schlangen schienen sich gegenseitig in den Schwanz zu beißen. Schließlich wechselten wir einen Teil bei einem anderen Wechsler zu weitaus schlechteren Konditionen, gingen damit zum Handyladen, bekamen die Sim Karte und konnten dann zu einem besseren Kurs nochmal beim ersten X-Change tauschen.

Bei dieser Aktion kamen wir ca. 7 mal bei einem netten Inder vorbei, der vor seinem Coffee Shop stand und unser Hin und Her beobachtet. Er hatte das richtige Gespür, als er genau zum Abschluss unserer Handelsgeschäfte seinen Vorschlag einbrachte: „Coffee?“ Damit hatte er uns. Leider bekamen wir nur einen espressogroßen 3in1 Nescafe, allerdings bestellten wir uns noch einen sehr schmackhaften Veggie-Burger für schlappe 500 Baisa bzw. 0,5 Rial, etwa 1,40 €. Und damit wurde das Coffee-Shop-Game eröffnet. Coffee-Shops, das muss zur Klarstellung erwähnt werden, bezeichnen im Oman Imbiss-Buden, die von Indern, Pakistanis oder Bangladeschis betrieben werden. Man fragt sich wo auf der Welt ein „Coffe-Shop“ eigentlich ein Lokal bezeichnet in dem man in erster Linie Kaffee trinken kann.

Wir tranken hingegen nie mehr in einem Coffee Shop Kaffee, doch wir sollten große Fans der Fast-Food-Gastronomie werden. Burger und Falafel-Wrap lagen dabei hoch im Kurs. Da wir in bestimmten Kreisen nur als die hungry cyclists bekannt sind, ist es jedoch nicht weiter überraschend, dass wir uns ständig über die Portionsgrößen beklagten und manches auch gleich doppelt bestellten. Coffee Shops gibt es im Oman übrigens überall, auch an einer einsamen Moschee mitten im Nirgendwo. Manche Coffee Shops machen nur Sandwich, andere Gegrilltes und viele haben eine sehr ausführliche bebilderte Karte mit klassischem Fast Food und auch klassischem südasiatischem Essen. Deshalb gibt es auch meist etwas vegetarisches und ist immer sehr lecker.

Die Kunden sind regelmäßig Omanis, die mit ihrem Auto vorfahren, hupen, ein Angestellter des Restaurants kommt herausgelaufen, nimmt die Bestellung auf und bringt die Speisen nach Fertigstellung auch zum Auto (dieses Form der Bestellung hatten wir auch schon in Dubai beobachtet, selbes Spiel wurde teilweise auch an Supermärkten durchgezogen). Es gibt auch Coffee Shops in denen die arbeitende Gesellschaft aus Indien, Pakistan, Bangladesh essen geht. Natürlich wollten wir dort auch hin, vorallem weil wir uns noch günstigeres Essen erhofften, aber dies scheiterte bisher an der Sprachbarriere. Dort wird nur Hindi gesprochen und des Lesens war sich der Koch auch nicht mächtig. Da wir so nicht klären konnten, ob Fleisch enthalten ist, zogen wir wieder von Dannen.

Oman ist ein sehr dünn besiedeltes Land, das auf einer Fläche der Größe Polens nur 4,8 Mio. Einwohner zählt. Knapp die Hälfte der hier lebenden Menschen sind Gastarbeiter. Neben der Gastro arbeiten sie als Bauarbeiter, in Autowaschanlagen und weiteren Dienstleistungsbranchen oder betreiben Gemüseläden. Als Fahrer von Taxis, Bussen oder LKW sieht man sie allerdings selten, dies sind Jobs für Omanis. Da die Arbeitslosigkeit unter Omanis hoch war, sorgt der Staat mit der sogenannten Omanisierung dafür, dass auch im Dienstleistungsbereich mehr Stellen mit Omanis besetzt werden, so sieht man häufig omanische Kassiererinnen im Supermarkt, und will so den Einfluss der Gastarbeiter zurückdrängen und außerdem den Staatshaushalt entlasten, der aufgrund der sinkenden Öleinnahmen schrumpft.

Der vom Volk verehrte Sultan Quaboos hatte in den letzten Jahrzehnten dank der üppigen Öleinnahmen die verschiedenen verfeindeten Stämme im Oman befrieden können, indem er alle mit Reichtum versorgte. Diese Befriedung könnte bröckeln, wenn das Geld nicht mehr wie gewohnt fließt. Deshalb versucht das Land sich langsam umzustellen. Derzeit ist der Reichtum in vielen Dörfern deutlich sichtbar: Wir fuhren an zahlreichen neuen Privatvillen vorbei, die alle eine ähnliche Architektur aufweisen (hohe Mauer, flaches Dach, Turm für den Wasserkanister) und sich hauptsächlich durch die sich zu überbietenwollende Verzierung unterschieden. Güldene Säulen, Buntglasfenster, palastähnliche Treppen, alles darf benutzt werden, was besonders kitschig ist.

Wir hatten nun endlich Geld, eine Sim Karte, waren satt und hatten auch noch im Lulu Hypermarket eingekauft. Die indische Supermarktkette, deren Filialen eine solche Größe aufweisen, dass ca. 156 iranische Krämerläden darin Platz finden könnten, kannten wir bereits aus den Emiraten. Das überbordende Sortiment beeindruckte uns nach unseren iranischen Erfahrungen so sehr, dass wir nicht mehr an ihm vorbeifahren konnten.

Da keine andere Route Sinn ergab, verließen wir die Stadt wieder auf gleichem Wege, den wir gekommen waren. Wir passierten wieder das staubige Grenzdorf und konnten danach endlich unserer eigentlich geplanten Route folgen. Diese führte durch ein trockenes Wadi, in dem wir uns nach nicht allzu langer Radelei von gut 50 km (wobei alleine 40 km das hin und her hinter nach und von Al Buraimi verschlangen) hinter einem riesigen Felsen niederließen, der uns vom Lärm der Straße, nicht jedoch vom Wind abschirmte. Auf der gegenüberliegenden Straße dämmerte eine kleine Moschee in ihrem Dornröschenschlaf dahin und so konnten wir Trinkwasser zapfen und uns ausgiebig waschen. Es war übrigens der 200. Tag unserer Reise vergangen.

Obwohl der Oman, wie gesagt, sehr dünn besiedelt ist, stellten wir am nächsten Tag fest, dass wir uns keine Sorgen um Wasserversorgung oder Lebensmittel machen brauchten. In jedem noch so kleinen Dorf (manche bestanden eigentlich nur aus einer Moschee) standen große Wasserkanister mit angeschlossenem Zapfautomat, der das Wasser filtert und kühlt. Jedes Dorf ab ungefähr 5 Häusern war auch mit einem kleinen Laden ausgestattet, mache Läden waren auch ohne umgebene Siedlung an einer Kreuzung eröffnet worden.

Wir fuhren durch trockene bergige Landschaft, die immer wieder von Wadis durchzogen war, was uns ein heiteres Berg-Tal-Bahn-Fahren bescherte. In den Wadis wuchsen Bäume, die ohne Ausnahme ihr mühsam dem Boden entrissenes Wasser mit gigantischen Stacheln zu verteidigen wissen (von denen die Kamele sich allerdings unbeeindruckt zeigten), während die Dörfer von Palmen-Gärten gesäumt waren. Die Straßen war gut ausgebaut und kaum befahren, ab und zu kreuzten allerdings ein paar Kamele.

Das Radfahren war überaus entspannt und gegen Abend fanden wir einen guten Platz in der Steinwüste. Kaum hatten wir es uns gemütlich gemacht und unsere Sachen so weit ausgebreitet, dass eine erneuter Aufbruch äußerst lästig geworden wäre, bekamen wir zunächst von einem Schäfer Besuch, der uns einen Sack Datteln reichte. Dann kam noch sein Bruder mit Frau und drei Kindern in einem monströsen Pickup vorbei. Sie schenkten uns Süßigkeiten und Bananen, hatten auch noch Kardamon-Kaffee und Wasser für uns und wollten uns zu sich nach Hause zum übernachten einladen. Da wir nach dem Iran erstmal eine Pause von solchen Sleep-overs wollten und hier bereits einen guten Platz hatten, lehnten wir dankend ab.

Hätten wir geahnt, dass dies die einzige Einladung dieser Art im Oman sein würde, hätten wir uns vielleicht anders entschieden. Bis auf diese nette Begegnung, wurden wir an unseren Zeltplätzen und Rastplätzen im Oman in Ruhe gelassen. Die Menschen sind freundlich und es sprach uns auch gelegentlich jemand an, aber wir wurden nicht mehr so belagert, wie im Iran, was wir als wirkliche Erleichterung empfanden.

Nach einigen Tagen jedoch, verdorben wie unsere Alman-Seelen nun einmal sind, fanden wir es etwas schade nicht mehr soviel Obst und Süßigkeiten von Fremden zu bekommen. Wir hätten uns dafür auch bereitwillig wieder für ein gemeinsames Selfie positioniert. Als wir am nächsten Mittag im Schatten vor einem Supermarkt rumlungerten, kam ein Herr im weißen Gewand aus seinem SUV und lud uns zu einem Kaffee zu sich nachhause ein. Wir stimmten zu. Der Mann wandte sich zum gehen Richtung Supermarkt und verschwand darin. Wir gingen also davon aus, dass er nun noch schnell einen Einkauf erledigt und wir ihm dann folgen können. Als er nach einer Viertelstunde nicht wieder auftaucht, begannen wir uns zu wundern. Als er nach 20 Minuten immer noch nicht wieder da war, wurde Julia abgesandt, ihn im Supermarkt zu suchen. Doch dort war er nicht. Nach 25 Minuten schaute auch Tilmann noch einmal nach. Anscheinend war der Mann durch einen Hinterausgang geflüchtet, nachdem ihm bewusst wurde, dass die hungry cyclists ihm wahrscheinlich die Haare von Kopf essen würden. Sein Auto hatte er auf dem Parkplatz zurück gelassen, auch die Supermarkt-Mitarbeiter wusste nicht, wo er sein könnte.

Wenn man wochenlang durch Wüsten und Steppen gefahren ist, wirkt fließendes Wasser und grüne wildwuchernde saftige Pflanzen, wie ein kleines Wunder. Wir konnten uns nicht satt sehen, als wir das erste Wadi entdeckten, das nicht ausgetrocknet war. Das Wasser hatte sich eine Rinne in den Fels gegraben und füllte außerdem einen kleinen Pool, in dem wir uns erfrischen konnten. Gesäumt wurde die schöne Szenerie von Palmen. Beinah wären wir jedoch an diesem tollen Rastplatz vorbei gefahren, hätte ihn uns nicht ein Bangladeshi gezeigt. Er ließ es sich auch nicht nehmen, uns zu einem Reisgericht einzuladen und öffnete uns die Türen zu seiner Behausung, die aus einem mit 4 unverputzen Mauern eingefassten Hof bestand, der dreckig und vermüllt war. Als Sitzgelegenheiten stand ein Sofa zur Verfügung, das sicherlich ein Lebensraum für diverse Arten war, die unter uns unter dem Mikroskop betrachtet das ein oder andere „ei der Daus“ entlockt hätte. Nachdem wir gemeinsam mit ihm etwas Reis gegessen hatten, sprangen wir in den kleinen Wadi-Pool und wurden sogleich von Hautfetzen liebenden kleinen Fischen angeknabbert.

Nie so richtig gewöhnen konnten wir uns an die kurzen Tage und die schnell einbrechende Dunkelheit. Mittlerweile galt es nämlich sich bereits ab 15 Uhr über den Schlafplatz zumindest Gedanken zu machen. Um alle Aufgaben (Zelt aufbauen, kochen, waschen) noch im Hellen erledigen zu können, war es notwendig um 16 Uhr einen Platz zu haben, doch eigentlich schafften wir das nie so richtig. Da wir aufgrund der Hitze außerdem auch immer im Dunkeln mit dem 1. Ruf des Muezzin und dem 5. Ruf der Hähne, also um 5 Uhr aufstanden, gibt es nur wenig Bilder von unseren Zeltplätzen.

Den wahrscheinlich schönsten Platz hatten wir im Wadi Damm, das mit seiner oasigen Idylle wirklich himmlisch ist. Wir zelteten unter einem riesigen Felsüberhang, neben der Bewässerungsrinne und hatten damit dauerhaft Schatten und fließendes Wasser. Ganze 3 Mal wanderten wir ins Wadi hinein, erfrischten uns in den türkisblauen Wadi-Pools und rutschten die vom Wasser natürlich geformten Rinnen hinunter. Dieser Ort katapultierte sich instantan in die Top 5 der schönsten auf unserer Reise bisher besuchten Plätze. Zu seiner unvergleichlichen Schönheit kam hinzu, dass der Besucherandrang wirklich überschaubar war. Die knapp 20 Stunden die wir in dem weitläufigen und verwinkelten Tal verbrachten, sahen wir nur etwa 10 andere Menschen und nur mit einem deutsch-holländischen Pärchen führten wir ein kurzes Gespräch. Nur schwer konnten wir uns von diesem Paradies trennen, in dem zu allem Überfluss an Schönheit auch noch alte Felsenmalerei zu finden sind.

Seufzend begaben wir uns auf die trockene, staubige, bergige Piste, die uns nun einiges abverlangte, uns aber auch durch beeindruckende Landschaften führte. Auf einer Gravel-Piste mussten wir zwei Berge mit extremer Steigung überwinden, die uns nach dem Höllenritt durch das armenische Bergham-Gebirge erstmalig (steigungsbedingt) wieder zum Schieben zwangen. Wir befanden uns nun nahe dem Dschabal Schams, Omans höchstem Berg (2930 m), den wir allerdings nicht bezwingen wollten in diesen Tagen.

Da das Wadi Ghul ebenfalls nur über eine kaum befahrbare Schotterpiste von 7 km Länge zu erreichen war, verzichteten wir auf einen mittäglichen Abstecher dorthin und fuhren noch bis zum Wadi Tanuf, wo wir allerdings ohne Bademöglichkeit auskommen mussten (nach dem Sommer sind die meisten Wadis weitestgehend ausgetrocknet). Sein Eingang wird von Ruinen einer alten Stadt aus Lehm und Stein bewacht, das im Sonnenuntergang und dem Sonnenaufgang am nächsten Morgen eine stimmungsvolle Kulisse bot.

Nachdem der nun täglich auftretende regelmäßige frühabendliche Sturm fast unser Zelt hinfort gerissen hatte, bekamen wir Besuch von einer dreiköpfigen Katzenbande, die es schließlich schaffte uns 4 eingeschweißte Burger-Buns (oder waren es Patties?) zu stibitzen, die für unser Frühstück vorgesehen waren.

Ausgehungert fuhren wir am nächsten Tag durch die alte Stadt Nizwa, die bis ins 12. Jahrhundert Landeshauptstadt war. Eben wegen jenes Hungers, schenkten wir dem Gassengewirr und dem alten für Touristen aufgemöbelten Souk nicht gebührende Aufmerksamkeit und verbrachten einmal mehr viel zu viel Zeit in einem Lulu’s Hypermarket am Rande der Stadt.

Die Passagen zwischen den Städten, die hier allesamt mit Palmengärten einfach paradiesisch und mit dem Fahrrad angenehm zu befahren waren, waren trocken und erinnerten mit ihren heißen Felsen, die zwischen braun bis schwarz changierten an den Vorgarten zur Hölle. Das Wechselspiel zwischen diesen beiden Sphären hatte seinen eigenen Charme.

Am Nachmittag manifestierte sich zu unserem Leidwesen die Erkenntnis, dass das Kartenmaterial des Omans unvergleichlich schlecht war. Die Steigungen, die wir immer wieder absolvieren mussten, gingen in keiner Weise aus dem Höhenprofil der geplanten Route hervor und so ächzten und stöhnten wir uns die Straße entlang und rangen dem Land nur mühsam Kilometer um Kilometer ab. Auch in den einschlägigen Chatgruppen wurde dieser Umstand heiß diskutiert. Abends nutzten wir einmal wieder eine Moschee um uns zu waschen und fanden gleich nebenan einmal wieder einen geeigneten Zeltplatz in einem trockenen Wadi.

Obwohl nun wirklich alles glatt lief, entschieden wir tags drauf, nachdem wir am frühen Nachmittag bereits knapp 100 km hinter uns gebracht hatten, ganz spontan in einem Hotel abzusteigen. Dieses überzeugte mit einem Pool und die Verhandlung mit dem Rezeptionist war schnell abgeschlossen. Notwendige Renovierungen waren hier allerdings seit ca. 20 Jahren ausgeblieben, obwohl die Anzahl an Angestellten die der Gäste um ein vielfaches übertraf. Wirklich sparen hätten wir uns allerdings das Frühstück sollen, welches sehr mager war, 45 Minuten nach der vereinbarten Zeit serviert wurde und verschimmeltes Brot enthielt (als Ausgleich wurden uns dafür zwei Scheiben Schmelzkäse spendiert). Dafür planschten wir noch einmal im Pool, dessen Natürlichkeit sich nach 20 Jahren wieder der eines Wadis angenähert hatte, bevor es uns nun in die (Sand-)Wüste zog.!

!Triggerwarnung! In der nächsten Bildergalerie ist ein Bild (Nr. 16) eines toten Tieres enthalten!

Hier könnt ihr unsere bisher zurück gelegte Route und (meistens) unseren aktuellen Standort sehen.

Diesen Blog abonnieren, um per E-Mail über neue Beiträge informiert zu werden:


10 Gedanken zu “im reich der dattelpalmen und endlosen wasserströme 🇴🇲

  1. Krass, dass es da Bio-Sauerkraut gibt 😀 Das Kraut des Herstellers am rechten Bildrand habe ich gerade eben gegessen.

  2. Erinnerungen an meinen Aufenthalt 1998 im Oman werden wach. Auch das Fort in Nizwa besucht. Bei Einheimischen eingeladen gewesen zum Essen und danach mit Weihrauch und Myrrhe eingenebelt worden. Unvergessen.
    Viel Glück und eine gute Zeit weiterhin.
    In Sure die Dauwerft ist sehr interessant sowie der Schildkrötenstrand, der nur mit Berechtigung und Guide – damals – besucht werden durfte.
    Passt gut auf Euch auf.

    1. Bei uns hat es ja leider nicht so geklappt mit den Einladungen, vielleicht strahlen wir wegen unseren Iran-Erfahrungen noch zuviel Skepsis aus 🤔
      Der Oman ist in jedem Fall ein wirklich schönes Reiseland. Wenn er doch nur nicht so weit von Deutschland weg wäre 🌍

    1. Laut dieser Anleitung nur die exakte Menge zu wenig Flüssigkeit aufnehmen 🤷
      Ich habe vor knapp 10 Jahren im tschechisch-polnischen Grenzgebiet einen Energydrink getrunken, der Hulk hieß und entsprechend reich an grünem Farbstoff war. Und siehe da…

  3. Danke für den Tipp. Alles klar, mein nächstes Reiseziel steht damit wohl fest! 😎

    Ach nee lieber doch nicht: Von Energydrinks bekomme ich immer so komisches Herzrasen. 🤔

  4. Hahaha ich bin zufällig gerade in Italien!
    Hab’s quasi schon längst probiert, klappt nicht. 😂

    „Den besten Kaffee“ habe ich übrigens absichtlich aus der Liste der Ranking – Ideen weg gelassen, weil ich mir dachte, auf die Idee kommt ihr vermutlich sowieso selber. 😉

Hinterlasse eine Antwort zu W Antwort abbrechen