filmrollenwechsel 🇦🇪

Tag 191 bis 197(10.10. bis 16.10.)
Distanz: 87 km
Höchster Punkt: 50 m
Tiefster Punkt: 5 m
Rauf: 620 m
Runter: 550 m

Die Fähre von Bandar Abbas nach Schardscha katapultierte uns in eine andere Welt. Wir erreichten die arabische Halbinsel nach Sonnenuntergang und waren etwas in Sorge, als es nun hieß wir dürften unsere Räder nicht selbst von Bord holen. Wir wurden mit dem Bus zu einem Gebäude gefahren, in welchem wir die Einreiseprozedur über uns ergehen lassen mussten. Alles war spiegelblank geputzt, funkelte wie neu und war mit neuester Technik ausgestattet. Ja, wir fühlten uns nun wirklich in eine andere Welt versetzt, allerdings wurde auch schon relativ schnell klar, dass zwar Geld für neueste Technik investiert werden konnte, die Mentalität aber nicht wirklich einen Quantensprung entfernt schien. Der Irisscanner beispielsweise funktionierte nicht, oder keiner der anwesenden Ghutra-Träger war in der Lage ihn zu bedienen.

Das Einreise-Prozedere wirkte vollkommen planlos, wobei zunächst erst einmal gar nichts passierte. Dann wurden wir Radreisenden aufgefordert nach einer ersten Passkontrolle den Raum zu wechseln. Da Lars und Tilmann als letzte durch diese hindurch kamen, wurden sie nicht informiert, dass sie ihre Räder nun von draußen selbst hereinholen sollten. Offenbar war man der Meinung, das würde sich unter den Radfahrer:innen schon herumsprechen, obwohl die anderen sieben schon eifrig damit beschäftigt waren ihre Taschen durch den Röntgen-Scanner hindurch zu schicken.

Jedenfalls konnten wir alle ungehindert einreisen und durften uns etwa eine Stunde nach der Landung wieder frei bewegen. Wir hatten bis zu unserem Hotel in Dubai noch einen Weg von etwa 30 km vor uns und da wir das Hotel voll ausnutzen wollten, hatten wir es erst ab dem nächsten Tag gebucht. Daher suchten wir nun zusammen mit Lars und Moritz einen Zeltplatz für die erste Nacht. Schnell wurde der mit der Grenzüberquerung einhergehende Systemwechsel weiter deutlich. Wir erreichten bald ein erstes Wohnviertel, in dem leicht bekleidete Russinnen und Russen unterwegs waren. Wir stoppten in einem indischen Supermarkt und waren froh endlich wieder Geschäftsmodelle vorzufinden, wo der Besuch eines Ladens ausreichte, um sich mit jeder Art von Nahrungsmitteln eindecken zu können.

In einem Imbiss stürzten wir uns alle gierig auf das WiFi (das Essen war nur Mittel zum Zweck), wobei sich in Sachen Kommunikation ehrlich gesagt leider gar nicht viel getan hatte. Nach einer Weile des Suchens fanden wir anschließend auch einen ganz passablen Platz für die Nacht auf einem Baugrundstück, auf dem das Bauvorhaben wohl bereits wieder aufgegeben geworden war. Der Strand hingegen, auf dem wir eigentlich zelten wollten, war bewacht und für die Nacht für Besucher gesperrt.

Am nächsten Morgen fuhren wir zu viert in Richtung Süden. Bereits in Schardscha-Downtown, das wir bald erreichten, waren wir beeindruckt von den vielen funkelnden Hochhäusern und dem hohen Maß an Ordnung im Verkehr. Natürlich waren hier kaum weniger Autos als im Iran unterwegs, aber diese hielten sich relativ penibel an die Verkehrsregeln und waren vor allem viel sauberer und leiser und natürlich teurer, wobei bei weitem nicht nur die edelsten Karossen unterwegs waren. Ordnung herrschte nicht nur im Verkehr, auch studierten wir voller Interesse die umfangreichen Verhaltensregeln, die gemäß großflächiger Beschilderung am Strand einzuhalten waren.

Hinter Schardscha rollten wir nun langsam auf Dubai zu und endlich zeichnete sich im Dunst der staubgeschwängerten Wüstenluft über der Stadt eine dünne Linie ab, die nahezu endlos dem Himmel zustrebte: Wir erblickten schon aus großer Ferne den Burj Kalifa, das höchste Bauwerk der Menschheitsgeschichte. Während wir uns weiter auch auf die ansonsten beeindruckende Skyline zubewegten, mussten wir uns schon relativ bald von Lars und Moritz verabschieden, die sich, ein wenig über den von uns gewählten kostspieligen Luxus lustig machend, nördlich von Dubai-Downtown ein Airbnb gesichert hatten, das sich allerdings auch als relativ schäbig herausstellen sollte.

Wir fuhren nun Bauklötze staunend zwischen den unzähligen Wolkenkratzern hindurch und bekamen bald Nackenschmerzen von dem vielen Hals recken. Der Kontrast zum Iran, den wir vor weniger als 24 h verlassen hatten, konnte kaum größer sein. Und auch wenn es natürlich viel berechtigte Kritik an dieser auf Sand gebauten Metropole der Superlative gibt, vor die Wahl gestellt, ob alle Städte der Welt so oder wie beispielsweise Täbris aussehen sollten, so tendierten wir doch deutlich zu der uns hier präsentierten Variante. Allerdings entdeckten wir relativ schnell, dass auch in Dubai nicht alles Gold ist was glänzt. Abgesehen davon, dass es zwischen den auf Hochglanz polierten Türmen erstaunlich wenig grün war (ja, wir wissen dass Dubai in der Wüste errichtet wurde, aber es gibt dort auch eine Skihalle, also darf man darüber ruhig erstaunt sein) gab es auch immer wieder Lücken, die sandig brach dalagen.

Zum Fuße des Burj Kalifa konnten wir nicht anders und mussten die Fahrräder abstellen. Mit offenen Mündern starrten wir in den Himmel und ließen den gigantischen Elfenbeinturm auf uns wirken. Als wäre der Anblick an sich nicht schon unglaublich, warf der Turm an seiner uns fast 1 km entfernten Spitze eine Schatten in die Dunstglocke und verstärkte damit den faszinierenden Eindruck.

Weiter reihte sich Wolkenkratzer an Wolkenkratzer bis wir den Dubai Water Canal erreichten, wo sich die Bebauung jäh änderte. Relativ unvermittelt befanden wir uns nun in einer wenig charmanten wüsten und öden Gegend, die aus flachen Einfamilienhäusern und großen Straßen, die hier und da von Fastfood-Läden und Supermärkten gesäumt waren, bestand. Unsere Begeisterung trübte sich ein wenig, da wir unser Hotel nun bald erreicht hatten und klar war, dass es in dieser Gegend lag, die eher dem Iran ähnelte als dem zuvor durchquerten Hochhaus-Dschungel.

Unsere Laune hellte sich jedoch schnell wieder auf, nachdem wir eingecheckt und Zimmer sowie Pool auf der Dachterrasse in Augenschein genommen hatten. Das Zimmer war geräumig und sehr modern eingerichtet und vom Pool aus hatten wir einen Ausblick auf Downtown mit dem Burj Kalifa in der Mitte, an dem wir uns auch in den kommenden Tagen nicht satt sehen konnten.

Die Belegschaft im Hotel bildete im kleinen ab wie bunt die Stadt aus Menschen aller Herren Länder zusammengewürfelt ist, unter die wir uns in den kommenden Tagen mischten. Da war der nepalesische Sicherheitsmann, der indische Empfangschef, der Kellner aus Bangladesch, die vietnamesische Empfangsdame im Spa und der nigerianische Lebensretter am 1,40 m tiefen Pool. Tatsächlich sind nur 20 % der Einwohner Dubais ursprünglich aus den Emiraten, die anderen 80 % bilden Menschen, die es aus der ganzen Welt dorthin zieht, um an dem großen Reichtum der Stadt ein Stück weit teilzuhaben. Auch als wir uns in der Stadt bewegten, gefiel uns besonders, dass die unterschiedlichsten Menschen von überall aus der Welt anzutreffen waren. Gerade im Vergleich zum Iran, war dies beeindruckend, aber auch im Vergleich zu europäischen Städten, geht es hier noch viel bunter zu, was die Hautfarbe und die Kleidung betrifft.

In vielerlei Hinsicht erlebten wir Dubai so wie man es sich vorstellt: Wir sahen ein gigantisches Aquarium, ein Eishockeystadion, Wasserfälle und eine Skihalle in diversen Malls, betraten eine künstliche Insel in Form einer Palme und bewunderten die spektakulär orchestrierten Fontänen Shows vor dem Burj Kalifa und der Festival Mall. Wir sahen teure Autos auf endlosen Kilometern frischen Asphalts (oder in Downtown sogar teilweise auf Granit) herum rollen, da die Stadt wie kaum eine andere Metropole in Asien fast ausschließlich auf den motorisierten Individualverkehr ausgelegt ist. Der guten Ordnung wegen, durften wir unsere Fahrräder regelmäßig nicht auf dem Gehweg, vor Luxushotels oder in Fußgängerzonen abstellen, worauf uns die an jeder Ecke wachsam umherstreifenden Sicherheitskräfte (Angestellte der Malls und Hotels, nicht die Polizei) höflich hinwiesen.

Gemäß unserer Vorstellungen etwas weniger typisch war das Künstler-Viertel Alserkal Avenue, wo sich auf einem Areal im Industriegebiet Galerie an Galerie reiht. Hier hatten wir das einzige mal das Gefühl, so etwas wie eine (echte) weltstädtische „Szene“ zu erleben und nicht nur Pfeffersäcke in SUVs, Touristen in Malls oder Arbeiter bei ihrer unprätentiösen Alltagsbewältigung beobachten zu können.

Vieles mussten wir uns aufgrund der wirklich unvergleichbar hohen Preise vverkneifen. Das Essen in den Foodcourts in den Malls ist bspw. in etwa doppelt so teuer wie in Deutschland, ein Espresso hat in der ganzen Stadt den Einheitspreis von 15 Dirham, etwas mehr als 4 Euro. Nur in der Dubai Mall entdeckten wir das Fastfood-Restaurant „Al Baik“, das seine Snacks zu Preisen auf deutschem Niveau anbot, sodass sich davor endlose Schlangen bildeten, die mit entsprechend aufgestellten Geländern in der richtigen Ordnung gehalten wurden. Das wir drauf verzichten würden für knapp 50 € auf die Aussichtsplattform des höchsten Gebäudes der Welt zu fahren war uns relativ schnell klar. Fast schwach geworden wären wir allerdings bezüglich eines Besuchs im Atlantis Wasserpark für stolze 85 €! Das zogen wir nur in Betracht, da wir noch Kirmesgeld von Julias Eltern auf der hohen Kante hatten, das eigentlich für Tilmanns nicht angetretene Ballonfahrt in Kappadokien vorgesehen war. Schon waren wir im Begriff die Tickets zu buchen, als wir feststellten, dass das Schließfach für 20 € nicht im Preis inbegriffen war und auch keine eigenen Speisen und Getränke mitgeführt werden durften.

Bei Carrefóur konnten wir hingegen einmal eine ganze ausgewachsene Blechpizza für 8 Dirham (2,20 €) ergattern. In den „Coffee Shops“, die in erster Linie Essen für die Gastarbeiter anbieten und die es im Viertel unseres Hotels zu hauf gab, bekam man auf der anderen Seite ein Abendessen für 6 Dirham (ca. 1,60 €). Unser Hotel kam uns tatsächlich im Vergleich zum sonstigen Preisniveau der Stadt verhältnismäßig günstig vor, man hätte in Deutschland sicher mehr hinblättern müssen. Auch die Metro war vergleichsweise günstig, auch wenn es überraschend umständlich war hierfür ein Ticket zu erwerben und anstrengend sich in die vollgestopften Züge zu quetschen.

Das bringt uns zu einigen Beobachtungen, die für uns ein wenig überraschend waren und die wir in dieser erst in den letzten Jahrzehnten entstandenen Metropole so nicht unbedingt erwartet hätten. Zum einen liegen Armut und Reichtum sehr dicht beieinander. Kaum hat man die Hochhauscluster verlassen, steht man in Vierteln einfacher Wohnbehausungen und sieht die vielen Gastarbeiter aus Südasien und Afrika auf uralten oder billig zusammengeklebten Fahrrädern zur Arbeit rollen oder Säcke voller Lebensmittel nach Hause schleppen. Auch die ohne Fahrer:in verkehrende Metro ist offensichtlich der Arbeiterklasse vorbehalten und zwar viel deutlicher als das im ÖPNV in anderen Orten auf unserer Reise üblich war.

Viel größer noch war allerdings unsere Verwunderung darüber, dass die Stadt zwar super modern zu sein schien, allerdings dennoch sehr bieder und ohne wirkliche Innovationen errichtet worden ist und weiter wächst. Wie schon angesprochen ist das Ticketsystem in der Metro vollkommen unübersichtlich und für Fremde kaum zu durchschauen, was es erforderlich macht, dass zwar die Metro selbst automatisch ohne menschliche Lenkung fährt, es aber klassischer Ticketschalter bedarf, da man an den Automaten oft genauso hilflos dasteht, wie an jenen der deutschen Bahn. Dazu passte auch wie viel in der ganzen Stadt noch mit Papierlisten, Notizzetteln und physischen Medien hantiert wurde, anstatt auf Tabletts und QR-Codes zurückzugreifen. Obwohl man hier die Möglichkeit gehabt hätte eine Stadt am Reißbrett zu entwerfen, die intelligent für kurze Wege sorgt und Synergieeffekte verschiedener Infrastrukturen sinnvoll kombiniert, ist die Stadt ausschließlich auf den Autoverkehr ausgelegt und daher auch vollkommen sinnlos unendlich in die Länge gezogen. Wir waren maßlos erstaunt, welche Wege wir täglich zurücklegen mussten, obwohl die Stadt „nur“ 3 Millionen Menschen beherbergt.

Jede Form einer übergeordneten Stadtplanung wurde offenbar vollkommen vernachlässigt. Hier und da gibt es ein Hochhauscluster, dazwischen liegen entweder schmucklose Viertel eingeschossiger Bauweise oder auch gleich riesige Brachflächen. So liegt z.B. das Burj al Arab, immerhin das teuerste Hotel der Welt nun random irgendwo am Strand zwischen Downtown der Palmeninsel Jumeirah unweit eines Industriegebietes, was vermutlich auch nur deswegen niemanden stört, weil seine Gäste sich ohnehin überall hinchauffieren lassen. Das bestätigte uns auch Jon, von dem wir später noch berichten, der bereits seit sechs Jahren in Dubai lebt. Er sagt, in Sachen Straßen sei inzwischen schon vieles besser geworden. Bei seiner Ankunft habe es sich vielerorts noch so angefühlt, als ob das Kind des Emirs mit einem Stift auf einem Blatt rumgekritzelt hätte und da sein Geburtstag war, hatte er kurzerhand entschieden, dass die Straßen nach dieser Skizze nun anzufertigen seien. Die ausführenden pakistanischen Arbeiter hatten sich vermutlich nicht einmal gewundert, da sie auch keinen großen Unterschied zu vorher gemachten Plänen feststellen konnten.

Etwas belustigt lasen wir in einem Artikel, dass der Emir nun den Radverkehr stärker fördern wolle. Dazu wurden in den vergangenen Jahren Gesetze erlassen, die das Radfahren stärker reglementieren. So gibt es nun Verbote auf Straßen zu fahren, wo die Richtgeschwindigkeit bei über 60 km/h liegt, es gibt eine Helmpflicht und die Pflicht eine Warnweste zu tragen. Zu mehr Fahrradwegen haben die Bemühungen offenbar bisher nicht geführt, wir fanden kaum welche.

In Dubai war es endlich so weit. Wir wechselten erstmals auf unserer Reise unsere Ketten, die insgesamt schon deutlich über 11.000 km in den Gliedern hatten. Dabei bleib es nicht, auch die Kassetten, die uns Schätzelein nach Tbilisi mitgebracht hatte, ließen wir endlich montieren und wo wir schon einmal dabei waren auch gleich die Kurbelgarnitur die Kristina für uns nach Dubai, zu Jon, den wir über warmschowers gefunden hatten, hatte schicken lassen. Jon war so freundlich gewesen, uns die Sachen zum Hotel zu bringen, da er selbst 50 km außerhalb von Dubai in der Wüste lebte.

Diese Teileerneuerung kam uns relativ teuer zu stehen. Zunächst hatte der Versand nach Dubai bereits 100 € gekostet, dann wollte Emirates Post noch einmal 100 € Gebühren etc. und schließlich nahm der Fahrradladen Wolfi’s noch einmal 100 € für die Montage. Was half es? Es war nun an der Zeit die Teile auszutauschen und in Dubai wären sie nicht einfach nur teurer, sondern schlicht nicht zu beschaffen gewesen. Jon hatte uns, als wir noch im Iran mit der Recherche beschäftigt waren, bereits mitgeteilt, dass wir in Dubai sicher keine Kurbelgarnitur mit drei Kettenblättern auftreiben würden können, da drei Kettenblätter nach hiesiger Auffassung nicht cool seien.

Wir hatten jede der fünf Nächte im Hotel, jedes Frühstück und jeden Poolbesuch genossen und fühlten uns tatsächlich so, als ob wir eine Woche Urlaub von unserer Reise gemacht hätten. Dann hieß es jedoch Abschied nehmen und wir nahmen an Tag 197 unserer Reise Kurs auf den Oman. Auf dem Weg in Richtung Osten lag glücklicherweise auch der Wohnort von John, den wir nun endlich auch persönlich kennenlernen wollten.

Iris hatte uns berichtet, dass der Weg aus Dubai heraus die Hölle sei, was wir zunächst überhaupt nicht nachvollziehen konnten, denn wir fuhren zwar auf Highways, diese waren aber mit Standstreifen ausgerüstet und relativ leer. Dann begaben wir uns jedoch irgendwann auf das Nebenstraßennetz, wo die Katastrophe nicht lange auf sich warten ließ. Vor uns erstreckte sich eine Sandpiste und da uns der Weg zurück bzw. ein alternativer Weg zu umständlich erschien, machten wir uns daran diese zu durchqueren. Es war mühselig und schweißtreibend und für die geschätzten 700 m brauchten wir eine gute halbe Stunde. Kurze Zeit später fuhren wir für mehrere zehn Kilometer jedoch doch auf einem brandneuen Fahrradweg, den wir für uns alleine hatten und auf dem das zu Fuß gehen sogar verboten war.

Jon lebte mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter Ella in einer Gated Community mitten in der Wüste. Wir verbrachten einen angenehmen Abend mit den dreien, an dem uns Jon einiges interessantes über das Leben in Dubai berichtete. Er als Lehrer konnte hier ein wesentlich besseres Leben führen, als in seiner Heimat England. Er berichtete aber auch von den Schattenseiten der 2-Klassen-Gesellschaft, dem offen gelebten Rassismus und der dramatisch schlechten Ökobilanz der Metropole Dubai.

Wir widmeten uns zudem noch einmal unseren Fahrrädern. Schweren Herzens wechselten wir unsere wirklich hervorragenden 55 mm Mäntel Marathon Almotion gegen 50 mm Marathon Plus, obwohl unsere alten Mäntel durchaus noch ordentlich Profil hatten. Letztendlich waren uns aber die insgesamt sechs Platten doch ziemlich auf die Nerven gegangen, wobei mindestens vier mit Antiplatt nicht eingetreten wären. So gut die Marathon Almotion sein mögen, in der schwalbeinternen Pannenschutz-Systematik haben sie nur 5 von 7 Punkten. Größter Nachteil an den neuen Reifen ist sicher, dass sie nur 50 mm breit sind, aber es war ohnehin schon extrem schwierig Antiplatt-Reifen mit 27.5 Zoll in einem Onlineshop zu finden. Es hatte uns in den Tagen des schwachen Internets im Iran einige Nerven gekostet. Wir haben die alten Mäntel aber ab jetzt als (gewichtigen) Ersatz im Gepäck. Ausschlaggebend für den Wechsel war im Endeffekt, dass uns berichtet worden war, im Oman sei es überall extrem dornig.

Bei der Fahrradpflege stellten wir zudem mit großem Entsetzen fest, dass Speichen und Bremsscheiben zu rosten begonnen hatten. Dies war ohne Zweifel auf die Fährüberfahrt von Qeshm nach Bandar Abbas zurück zu führen, wo die Räder an Deck Spritzer der Gicht abbekommen hatten. Bei unserer Ankunft im Hafen hatten wir noch daran gedacht die Räder bei nächster Gelegenheit (die es noch am selben Abend gegeben hätte) mit Wasser abzuspritzen, hatten es dann aber doch vergessen. Diese Vergesslichkeit hatte sich nun gerecht, aber das Ausmaß des Schadens war zum Glück überschaubar und Jon versorgte uns noch mit einem leistungsstarken Anti-Rost-Gel.

Tilmann stellte jedoch zu seiner großen Verwunderung fest, dass der Fahrradladen auf seinem Fahrrad nicht die von uns selbst in Deutschland bestellten Shimano-Kette, sondern eine KMC verbaut worden war. Einige Telefonate mit Wolfi’s hatten zwar nicht dazu geführt, dass der Fahrradladen eine Erklärung liefern konnte, geschweige denn Tilmann glaubte, allerdings konnten wir uns auf die für uns sehr günstige Lösung einigen, dass Wolfi’s die Kette nach unserem Oman-Trip in Dubai oder Abu Dhabi kostenlos wechseln würde. Dann wird zwar ein verhältnismäßig früher, aber dennoch sinnvoller Wechselintervall erreicht sein, sodass sich das Missgeschick des Ladens im Endeffekt zu unserem Vorteil entwickelt hatte bzw. noch entwickeln wird (falls wir nicht in Muskat auf ein Schiff nach Indien oder Afrika steigen).

Hier könnt ihr unsere bisher zurück gelegte Route und (meistens) unseren aktuellen Standort sehen.

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12 Gedanken zu “filmrollenwechsel 🇦🇪

  1. Lieber Tilmann, liebe Julia,
    das Thema Eratzteile und die Notwendigkeite deren Beschaffung wird wahrscheinlich weiter mitreisen, daher möchte ich euch drauf hinweisen, dass ich seit ein paar Monaten in einem Fahrradladen arbeite. Dementsprechend kann ich vielleicht auch mal was auftreiben?! Natürlich kann auch Hartje nicht hexen und Vieles ist einfach nicht oder nur mit Wartezeiten lieferbar. Manches ist auch im Großhandel nicht zu haben, dann aber in einem Onlineshop, der noch Restbestände hat … Das Thema ist komplex und hat ein hohes Frustrationspotential – für alle!
    Aber wer weiß, vielleicht kann es mal helfen eine Agentin im Fachhandel sitzen zu haben?
    Mit konspirativen Grüßen, und:
    Hoch das 3-fach Kettenblatt! Nieder mit der 12-fach Kassette!
    Gesa

    1. Liebe Gesa,
      dass du so treu unserem Blog folgst, ehrt uns ja besonders.
      Glückwunsch zum neuen Job! Danke in jedem Fall für das Hilfsangebot. Und auch Glückwunsch zu deinem guten Geschmack. Da stimmen wir doch gleich Mal ein: „Hoch das 3-fach Kettenblatt! Nieder mit der 12-fach Kassette!“

      1. Ich bin heute mit meinem Kollegen Markus auf das Thema Almotion zu sprechen gekommen – und siehe da: auch er ist absoluter Fan dieses Reifens! Und genau wie ihr hatte er Schwierigkeiten mit dem Almotion-Nachschub. Über den Fachhandel ging tatsächlich nix. Da er in Onlineshops jeweils nur einen auftreiben konnte, fährt er jetzt einen „Performance“ und einen „Evolution“. Und ist total glücklich, dass er überhaupt eine Lösung gefunden hat 🙂
        Als ich erwähnt habe, dass ihr Patria fahrt, ist er gleich ins Schwärmen gekommen :))

      2. Der Reifen ist nicht umsonst preisgekrönt. Schon absurd wie schlecht die Versorgungslage auf dem Fahrradmarkt ist. Die Branche muss sich jetzt langsam Mal ernsthaft zusammenreißen. Patria Fan? Dein Kollege scheint ein wahrer Kenner zu sein. Richte ihm doch Mal schöne Grüße aus. Er darf natürlich auch gerne einmal hier vorbei schauen 😉

  2. Hat das auch jemand nachgeprüft mit den 0,47 Litern pro flush?
    Wolfis? Falls ich jemals einen Fahrradladen aufmache, nenn ich den auch so. Oder ihr habt mein zweites, geheimes, im Ausland betriebenes Stand ein entdeckt…
    Ich liebe (!) einfach den Stil in welchem in asiatischen Ländern pompöse und schwachsinnige Vergnügungseinrichtungen, Gebäude und ganze Städte aus dem Boden gestampft werden.
    Es verachtet und schädigt die Umwelt, ignoriert jede Logik, vergewaltigt Menschlichkeit und Menschenrechte.
    Und dennoch lässt es mich begeistert staunen.

    1. Ich fürchte es handelt sich um greenwashing, es dürften mindestens 0,49 pro flush gewesen sein.
      Ja was denn nun? Dein Laden oder nicht? Falls ja solltest du Mal eine/n QM-Beauftragte/n einstellen.
      Ja, wir fühlen mit dir, diese Städte faszinieren wie ein schwerer Unfall.

  3. Ich habe das beste quality management der ganzen Region! Die können alles! Sogar bis auf den Milliliter genau eingestellte Klospülungen…

  4. Das ist ne große rennomierte Firma mit mehreren Auftraggebern, welche für ihr herrvoragend gutes qm weltweit bekannt sind: Wolfis, die Toiletten der Mall of Emirates, Deutsche Bahn, …

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