die entdeckung der Langsamkeit 🇬🇪

Tag 94 bis 100
Distanz: 320 km
tiefster Punkt: 10 m
höchster Punkt: 2.630 m
rauf: 4.536 m
runter: 4.150 m

Manch einer oder eine unserer geneigten Leser oder Leserin scheint zu meinen, wir wären besonders schnell unterwegs. Zuweilen wird angenommen, wir seien auf der Flucht. Dem ist jedoch nicht so, wir fliehen nicht, wir fahren einfach gerne Fahrrad. Vermutlich ergibt sich die Annahme unserer Flucht aus dem Wunsch, dass unserer Unternehmung ein tieferer Sinn innewohnt. Tatsächlich haben wir noch niemanden unterwegs getroffen, der eine Radreise wie die unsere ohne jegliche Motivation unternommen hätte, aber von einem tiefgreifenden einschneidenden Erlebnis, das die Menschen auf das Rad getrieben hat, haben auch nur einige wenige berichtet.

Im Übrigen fahren wir gar nicht besonders schnell, denn viele der anderen Radreisenden, die wir bereits getroffen haben, haben etwa so lange wie wir von Deutschland bzw. der Schweiz bis nach Georgien gebraucht. Doch nun war es an der Zeit langsamer zu werden. Wir schreiben den 5. Juli und erst am 21. Juli wollten wir in Tblissi sein, denn dann sollten wir dort Besuch von zwei Freunden aus Deutschland bekommen.

Wer Georgien einmal in der flachen Mitte durchfährt, kann die Strecke von Poti nach Tiflis auch mit dem Fahrrad innerhalb von drei Tagen schaffen. Ein Glück, dass Georgien gerade im Norden und Süden, dem großen und kleinen Kaukasus, besonders bergig und besonders schön ist, sodass unser nun eingeschlagener Zick-Zack-Kurs unsere drei Wünsche vereinte: Langsam vorwärts kommen, dabei Fahrrad fahren und Georgien von der besten Seite entdecken.

In Georgien gehört die Straße den Kühen. Sie stehen häufig einfach mitten darauf und das überall. Durch energisches Hupen lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen, sondern laufen in ihrem selbst gewählten Tempo weiter. Als Radfahrer können wir uns zum Glück gut durch die Herde schlängeln. Alle sind behornt und auch stattlichen Bullen begegnet man regelmäßig, weshalb uns anfangs etwas mulmig war, mittlerweile wissen wir, dass alle sehr friedlich und natürlich neugierig sind. Mit großen Kuhaugen schauen sie das ungewöhnlich Transportmittel an, die Kälbchen hüpfen zur Sicherheit lieber weg. Zu manch einer Kuhherde gesellen sich auch Schweine und/oder Pferde. Alle Tiere laufen hier frei herum und stehen oder liegen, warum auch immer, eben gerne auf der Straße.

Trotz Langsamkeit blieb diese Episode unserer Reise nicht ohne sportliche Höchstleistung. Wir schafften es ausschließlich mit der Kraft unserer Beine vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 2.943 Metern und zwar auf den Gipfel des Gvibari. Natürlich gingen wir “die letzten” (ca. 900) Höhenmeter zu Fuß, denn auf den Gvibari führt nur ein kleiner Wanderpfad, der erst durch wunderschöne Blumenwiesen, dann durch ein riesiges Rhododendron-Feld und schließlich über eine rutschig Schneekante führte, immer mit der beeindruckenden 12 Kilometer breiten Besingi-Mauer im Rücken, deren höchster Berg, der Schchara, der mit 5.201 Metern der größte Berg Georgiens ist.

Doch zurück zum Meeresspiegel: Als sich in Poti unsere Fahrradgang auflöste, fuhren wir nach Norden, dem Kaukasus entgegen. In Zugdidi beschlossen wir einen kleinen Abstecher zu machen. Wir wollten uns die Grenze zu Abchasien ansehen. Die Region betrachtet sich seit 1994 als unabhängig, was völkerrechtlich nicht anerkannt wird, aber von Russland unterstützt wird. Gemäß allgemeiner Gerüchtelage gibt es kein Zurück mehr nach Georgien, wenn man diese Grenze überschreitet. Darauf wollten wir es nicht ankommen lassen, zumal man für die Einreise tatsächlich erneut ein Visum benötigt hätte. Ein Abstecher zur Grenze, um einen waschechten international nicht anerkannten defakto-Staat mit eigenen Augen gesehen zu haben, war allerdings kein Umweg für uns.

Als der Abend näher rückte, beschlossen wir eine grenznahe Burgruine anzufahren, mit der Absicht dort zu zelten. Als wir das alte Gemäuer umrundeten, erschraken wir jedoch ein wenig, denn dahinter tauchte völlig unvermittelt eine mit Tarnnetzen umwickelte und mit Wachturm ausgestattete Grenzstation auf, die von einem mit AK-47 bewaffneten Soldaten bewacht wurde. Wir hatten die Grenze erst in 2 Kilometern erwartet und zweifelten nun, ob man hier zelten sollte. Der Platz selbst hingegen war eigentlich ideal, eine sauber getrimmte ebene weiche Wiese, direkt an einem kleinen Fluss mit kristallklarem Wasser, das uns aus Abchasien entgegen floss.

Der Grenzer hatte uns mittlerweile auch entdeckt und schaute fragend zu uns rüber, also beschlossen wir ihn einfach zu fragen, ob wir unter seinem wachsamen Auge unser Nachtlager aufschlagen könnten. Da er nur Russisch zur Kommunikation anbot, behalfen wir uns mit Zeichensprache und er nickte sogleich als wir unsere Hände zu einem Zelt formten und auf die Wiese zeigten. In dieser Nacht mussten wir uns jedenfalls keine Sorgen um unsere Fahrräder machen, die wir allerdings vor dem Hintergrund des katzgemeinen Diebstahl von nun an immer mit einem Drahtseil mit dem Zelt verbanden und uns um den Fuß wickelten, zusätzlich zu der Sicherung mit den Fahrradschlössern und dem klappernden Kochgeschirr, dass wir an die Räder hängten und dem UV-Fangpulver, dass wir an unseren Lenkern angebracht hatten. Darüber hinaus hatten wir in den Rahmen GPS-Tracker versteckt und eine Alarmanlage an den Speichen angebracht, die auf einsetzende Fliehkräfte reagiert. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatten wir uns in Poti zudem einen kleinen Betonmischer besorgt, um die Räder nun jeden Abend einbetonieren zu können.

Man könnte es durchaus als obligatorisch betrachten, dass sich einige Hunde zu unserem Lager gesellten. Einer von ihnen war ein putziger fuchsfarbener Welpe mit lockig behaarten Ohren, der auch die Nacht über nicht von unserer Seite wich. Da die ganze Mischpoke jedoch wohlgenährt war und wir auch meinten die Grenzer bei der Fütterung beobachtet zu haben, behielten wir eigensinnig alle Vorräte für uns und ihr Einsatz wurde nicht belohnt.

Die abchasische Grenze hatte an diesem kleinen und auch an dem größeren Übergang, den wir am nächsten Tag noch sahen, einen recht regen und nicht sehr streng wirkenden Grenzverkehr. Wir blieben dennoch links des Grenzfluss Enguri, den wir nur bis zu seiner Quelle erkunden wollten. Der Enguri entspringt unter dem Gletscher des Schchara. Wir nahmen uns fünf Tage Zeit, um dorthin zu gelangen. Natürlich ging es bergauf. Vorbei an der Staumauer des Enguri, die mit 271,5 m die höchste Bogentalsperre der Welt ist und vorbei an dem Stausee, der sich hinter ihr sammelt. Dann beginnt ein steiles Tal, in das nur die Straßen und der Fluss passen, was die Schlafplatzsuche sehr erschwerte. Auch schwierig war die Versorgungslage. Größere Läden gab es gar nicht, von den wenigen kleinen, die es gab, waren viele geschlossen. Jene die geöffnet hatten, verkauften hauptsächlich Kekse und Kaltgetränke, kein Gemüse und auch kein Brot. Wir begannen unsere Notreserven aufzubrauchen.

Am Abend des zweiten Tages (Donnerstag, 7. Juli) waren wir eigentlich mit unseren vier Freunden der Fahrradbande verabredet, die uns mit einem Mietwagen auf den Fersen waren. Wir hatten daher darauf gesetzt, dass diese uns mit frischen Lebensmittel versorgen würden und unser Lager auf einer kleinen Wiese neben einem Wasserfall in etwa 1180 Meter Höhe aufgeschlagen. Wegen der brütenden Hitze, des steilen Anstiegs und in Erwartung von K.O.S.A. rechtzeitig eingeholt zu werden, hatten wir unser Quartier bereits am frühen Nachmittag und nach knapp 40 km errichtet. Unglücklicherweise hatten die vier jedoch die mögliche Reisegeschwindigkeit maßlos überschätzt und es gelang ihnen mit ihrem Subaru Forester 4×4 tatsächlich nicht uns mit unseren Patria Terra Shimano Deore einzuholen.

So kam es, dass wir am dritten Tag Pudding zum Frühstück aßen, den wir als Instant-Pulver seit Zentral-Anatolien mitschleppten und nun endlich mit Bachwasser und Sonnenblumenöl aufgekocht hatten. Bei einem kurzen Stopp zum Auffüllen unserer Wasservorräte wurden wir zeuge eines blutigen Hundekampfes, der sich offenbar um die Führungsrolle eines kleinen Rudel entzündet hatte und in Folge dessen Julias Fahrrad zu Fall kam.

Bereits weitaus mehr vom starkem Hunger als von der Verbrennungsenergie des Bananenpuddings getrieben, hasteten wir in das kleine Örtchen Becho, wo wir einen Laden fanden, der nur geöffnet wurde, weil wir Dorfbewohner ansprachen, die dann die Ladenbesitzerin informierten. Leider mussten wir später feststellen, dass sie uns verschimmeltes Brot verkauft hatte, was uns dazu brachte zum Mittagessen Erdnüsse mit Oliven und Tomatenmark im Schatten des Uschba (4.737 m) zu verspeisen.

Kulinarisch unbefriedigt, aber von den auf uns einwirkenden Berg-Panoramen dennoch verzückt, kamen wir im Abenteurer- und Backpacker-Nest Mestia an, wo wir schnellstmöglich einkaufen und essen wollten, aber gleich mehrfach von verschiedenen Reisenden angesprochen und von unserem eigentlichen Plan abgehalten wurden. In Mestia trafen alle aufeinander: Wanderer, Radfahrer, Geländewagenfans. Als wir später im Café saßen bildete sich schnell eine Art Radfahrer-Stammtisch um uns. Dort komplettierten wir auch wieder unsere Fahrrad-Bande, als uns K.O.S.A. endlich wieder eingeholt hatte.

Da wir nicht in Mestia verweilen wollten, verabredeten wir uns bei einem Wildzeltplatz in Richtung Ushguli, der bei IOverlander empfohlen wurde, zu dem wir noch auf 1.940 m hochstrampeln mussten. Die anderen fuhren vor und bereiteten das Lagerfeuer und das Abendessen vor. Gar nicht allzu lange nach den im Auto vorausgeeilten, kamen wir auf der riesigen Bergwiese, die wir für uns alleine hatten an und beendeten nach knapp 50 km die Tagesetappe. Um uns herum türmten sich die schneebedeckten Gipfel des Kaukasus auf und wir hatten erneut einen wunderschönen Abend mit köstlichem Essen, Bier und später kristallklarer Sicht auf die Sterne. Nachts war es so still, wie seit drei Monaten nicht mehr. Kein Verkehr, kein Gebelle, keine Balzgeräusche, kein Meeres- oder Flussrauschen, einfach nichts. Wir schliefen alle sechs etwas unruhig, weil uns die gewohnte Unruhe fehlte, doch im Gegensatz zu unserer letzten gemeinsamen Nacht in Poti blieb das böse Erwachen am nächsten Morgen aus.

Einzig die Trennung am nächsten Tag trübte die Stimmung ein wenig, zumal ungewiss war ob die Fahrradbande in ganzer Stärke noch einmal zusammentreffen würde. Lediglich ein Wiedersehen mit Kathrin und Oliver in Tblissi war gewiss, denn dort wollten sie ja die von Schätzelein aus Deutschland mitgebrachten Fahrräder in Empfang nehmen.

Uns führte es weiter auf der Straße nach Ushguli. Diese ist im Winter einige Monate gar nicht befahrbar und im Sommer häufig wegen Erdrutsch gesperrt. Wir hatten Glück und konnten die kritische Stelle einfach passieren, wenngleich das stetige Rieseln kleiner Schiferplatten bereits den nächsten Hangrutsch ankündigte. Die Passage war jedenfalls etwas abenteuerlich, aber trotzdem relativ gut befahrbar. Dennoch war die Fahrt bizarr. Nicht erst hier, sondern bereits in den Tagen zuvor war am Zustand der Straße zu erkennen, dass deren Erhalt ein fortwährender Kampf gegen die Naturgewalten war. Immer wieder war der Fahrbandrand an der dem Bett des Enguri zugewandten Seite weggebrochen und die Leitplanke schwebte über mehrere Meter in der Luft oder es hatten sich auf der dem Berg zugewandten Seite in Folge von Hangrutschen kleinere oder größere Gesteinshaufen aufgetürmt. Hangsicherungsmaßnahmen fanden wohl aus Kostengründen nicht statt, sodass die Straßen durch den großen Kaukasus ähnlich wie der Kölner Dom fortwährend instand gesetzt werden mussten.

Auf unserem leidlich beschwerlichen Weg überholten uns nun fortwährend Minibusse Marke Mitsubishi L300 4WD oder kamen uns entgegen, die überwiegend Touristen von ihren Tagesausflügen von Ushguli zurück brachten vice versa. Dabei wurden wir fortwährend gefilmt und fotografiert und ernteten unzählige Daumen hoch. So kamen wir gegen Nachmittag im mit 2.200 m höchstgelegenen Dorf von Georgien bzw. der zweithöchsten dauerhaft bewohnten Siedlung Europas an, in der wir uns trotz der Touristenströme, die ein wenig das Gesamtbild störten, in eine andere Zeit zurück versetzt fühlten. Die kleinen Gassen waren aufgrund ihrer unebenen Pflasterung kaum mit dem Rad zu befahren und im übrigen mit Kuhmist übersät, während sie von unzähligen kleinen Bächen überspült wurden. Ebenfalls unzählig waren die vielen Wehrtürme, die aus schwarzem Schiefer errichtet, wie hydrothermische Raucher dem swanetischen Gestein erwachsend bedrohlich in den Himmel ragten. Als wäre diese Kulisse noch nicht beeindruckend genug, machte sich dahinter die gewaltige Besingi-Mauer breit, die ein kolossales Bollwerk gegen das nördlich angrenzende Russland darstellt.

Wir mieteten uns in einem der unzähligen Guesthouses ein, dass ebenfalls mit einem Wehrturm ausgestattet war. Heimlich bestieg Julia den Turm am Abend über mehrere Leitern und fand oben einen kleinen Raum mit Trophäen von Tierschädeln sowie Schießscharten vor, die eine schöne Aussichten auf die spektakuläre umgebende Natur ermöglichte.

Auf der Suche nach einem Lebensmittel-Laden liefen wir am Nachmittag fasziniert und auch etwas entsetzt durch das chaotische Gassengewirr. Der mittelalterliche Eindruck blieb erhalten, als wir die steilen Pfade in ihrem aus der Zeit gefallenen Zustand durchstreiften, während wir uns den Weg an Kühen und Schweine vorbei suchten, stets bemüht auch einen Bogen um ihre Hinterlassenschaften zu machen. Die alten Wehrtürme und traditionellen Häuser verfallen zu erheblichen Teilen. Von weitem ist der Anblick des Ortes märchenhaft, befindet man sich darin, ist man irritiert über das nebeneinander von Mittelalter und modernen Tourismusangeboten. In unserem Guesthouse wurde deutlich, dass die Frauen hier einmal mehr die Tüchtigen waren und die Männer träge (auf einem Stuhl sitzend wässerte der Herr des Hauses minutenlang eine Stelle des Rasens, obwohl wir dort gleich zum Essen sitzen sollten und obwohl es reichlich geregnet hatte in den letzten Wochen). Wir fanden übrigens tatsächlich den einzigen Lebensmittel-Laden des Dorfs und mussten nach einem überschaubaren Einkauf kräftig schlucken als der entsprechende Preis aufgerufen wurde, der bei einem Einkauf in einer deutschen Autobahn-Tankstelle in etwa auf dem selben Niveau gelegen hätte. Vorsichtshalber warnten wir ein einen Tag hinter uns reisendendes Pärchen aus der Schweiz vor diesem Versorgungsnotstand was dieses dankend bei seiner Reisevorbereitungen in Mestia berücksichtigte.

An unserem Ruhetag in Ushguli wanderten wir 33 Kilometer, so sieht bei uns Langsamkeit aus. Die Besteigung des Gvibari (2.943 m) durch bunt gesprenkelte Blumenwiesen und endlose Rhododendron-Felder war uns nicht genug, wir liefen anschließend noch zum Schchara-Gletscher, an dem der 213 km lange Enguri entspringt. Der bis auf das letzte Achtel überwiegend ebene Fußmarsch durch ein breites Tal führte uns zum Ende des Eisstroms, das sich als graubraunes unansehnliches Biest herausstellte. Um zum Ausdruck zu bringen, dass es uns nicht willkommen hieß, spuckte uns das Monstrum nicht nur die ebenfalls bereits in dreckigem braun eingefärbten Wassermassen des noch jungen aber bereits jeglicher Unschuld beraubten Enguri, sondern auch ohne Unterlass Eisbrocken und Steine entgegen. Als wäre dies noch nicht genug, knackte es immer wieder bedrohlich und dennoch gelang es ihm, so wie es Gletscher so an sich haben, einen erhaben Eindruck zu entfalten. Und obwohl uns der Schchara-Ferner das fürchten lehrte, ist es natürlich in Wahrheit der Gletscher der uns Menschen fürchten muss.

Der 11. Juli war der 100. Tag unserer Reise. 99 Tage lagen hinter uns, an denen wir uns bei Kälte und Hitze bewähren mussten, fast 99 mal einen Schlafplatz finden, mindestens 99 mal Essen einkaufen und über 99 mal Wasser auffüllen mussten, 99 mal entscheiden, wie es am nächsten Tag weiter gehen soll. Am 100. Tag stellten wir einen neuen Rekord auf und fuhren über den Zagari Pass und damit auf über 2.600 Meter, so hoch waren wir noch nie mit unseren Rädern. Zum Pass und hinunter führte eine unbefestigte Straße, über die an einer Stelle ein ganzer Fluss läuft. Trotzdem war der Weg gut zu fahren und die Herausforderung machte uns Spaß.

Bei unserer Ankunft in Ushguli hatten wir zwei Radreisende aus Berlin getroffen, die die ganze Runde aus der anderen Richtung gemacht hatten. Reichlich mitgenommen waren sie uns erschienen und nun konnten wir sehr gut nachvollziehen, warum dieser Eindruck sicher der Wahrheit entsprach. Wir schätzten uns glücklich die richtige Reiserichtung gewählt zu haben und waren bergab im null komma nichts zurück auf einer Höhe von etwa 1.100 Höhenmetern.

Als wir so an den Felswänden vorbeirauschten wurde uns schnell bewusst, dass diese nicht nur aussahen, als würden sie gleich abbrechen sondern es auch taten. Dies erkannten wir an den Löchern in der Straße sobald wir wieder Asphalt erreicht hatten bzw. daran, dass die Straße teilweise vollständig fehlte und wir auf eine improvisierte Piste auf Höhe des Flusses ausweichen mussten.

Wieder und wieder kamen wir an Baustellen vorbei, denn auch jenseits des Zagari Passes ging das Ringen der Straßenerhaltungsmaßnahmen mit den Naturgewalten weiter. Schließlich lagen sogar riesige Felsbrocken vor uns auf der Straße, durch die sich nur 2 kleine Fahrräder jedoch kein Auto hätte durchschlängeln können. Da uns zehn Minuten zuvor noch ein Auto entgegen gekommen war, lag dieser Steinschlag folglich erst wenige Minuten zurück.

Am Nachmittag entdeckten wir eine schöne Wiese (kurz nachdem wir eine Stalin-Statur passiert hatten), die an einer Steilkante über dem breiten Flussbett des Zcheniszchenali lag. Viele alte Obstbäume spendeten Schatten und boten die Möglichkeit, die Hängematte aufzuhängen. Weil es so schön war und wie sowieso zu viel Zeit bis zur geplanten Ankunft in Tbilissi hatten, blieben wir, spannten die Hängematte auf und genossen den sonnigen Tag und das immer noch beeindruckende Panorama, natürlich neugierig beäugt von einer kleinen Kuhherde, die uns auch nachts besuchte und einen unserer hooaaräää Laaaappppeeenn anbiss.

10 Gedanken zu “die entdeckung der Langsamkeit 🇬🇪

    1. Wir haben die Fahrradsicherung inzwischen noch weiter perfektioniert indem wir nun jeden Abend einen 10 Meter hohen 10.000 Volt Elektrozaun um unser Lager aufbauen. Diesen betreiben wir mit unserer 10.000 mAh Powerbank die wir mit unserer 21 Watt Solarzelle von Anker aufladen.

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