vorwärts kommt man schon irgendwie 🇸🇪

#tilmannontour – Durch Schweden fährt man mit dem Fahrrad halt irgendwie so durch und es zieht sich

Tag 470 bis 476 (16.07. bis 22.07.23)
Distanz: 624 km (∑ 26.573 km)
Höchster Punkt: 520 m
Tiefster Punkt: 30 m
Rauf: 5.020 m
Runter: 5.310 m

Und täglich grüßt das Murmeltier. Ich verweilte am Morgen des 470. Tags der Reise so lange im Zelt bis der Regen einsetzte. Aber nach den Strapazen der letzten 4 Tage, in denen ich im Schnitt 130 km gefahren war, sah ich es mir nach. Der Regen hörte dann auch bald wieder auf und aufgrund des Windes konnte ich das Zelt trotz dichter Wolkendecke auch halbwegs trocken kriegen. Die Freude wehrte jedoch nur kurz, denn bevor ich Edwin wieder einpacken konnte, setzte der Regen wieder ein. Diesmal so heftig, dass sämtliche Trocknungsfortschritte in Sekunden zu Nichte gemacht waren. Was half es? Ich packte ein und fuhr erst nach elf los, heute Abend sollte ich ja ein Dach über dem Kopf haben und würde alles trocknen können.

Allerdings merkte ich bald, wie herausfordernd die Mission „Adak erreichen“ werden würde. Nicht nur regnete es Bindfäden, auch blies mir der Wind unerbittlich entgegen, sodass mir die Regentropfen horizontal ins Gesicht flogen. Die Bäume links und rechts der Straße beugten sich in meine Richtung während ich bei der einen oder anderen Böe Mühe hatte überhaupt noch vorwärts zu kommen. Nach zähen zwei Stunden und 26 km erreichte ich die erste größere Siedlung in Schweden, das rund 1.800 Einwohner fassende Arjeplog.

Als ich nach einer kurzen Pause im Supermarkt weiterfuhr, hatte der Regen sogar für eine kurze Weile ausgesetzt, der Wind wollte sich aber nicht so recht beruhigen. Auch die Regenpause war schnell wieder vorbei und da meine in Israel gefundene Columbia-Regenjacke nicht so richtig wasserdicht war, war ich bald bis auf die Knochen durchnässt.

Jetzt legte auch der Wind noch einmal eine Schippe drauf und mir wurde langsam klar, dass es jetzt zunehmend unrealistischer wurde Adak zu erreichen. Das Problem war nur, wo ich sonst bleiben sollte. Das Zelt aufzuschlagen erschien mir bei diesen Bedingungen zu ungemütlich bzw. unrealistisch oder fahrlässig. Wie gesagt, der schwedische Norden ist viel dünner besiedelt als jener seiner Nachbarländer und so schien es kaum eine Möglichkeit zu geben irgendwo unterzukommen. Es sah schwer danach aus, dass ich, wenn es so weiter ginge, das Zelt eben doch irgendwo im Wald versuchen musste aufzubauen. Zwar gab es weder Hütten noch Ortschaften, dennoch herrschte durchaus etwas Verkehr. Obwohl das Wetter jetzt wirklich markant war und getrost von einem ernstzunehmenden Unwetter die Rede sein konnte, hielt es offenbar niemand der Fahrer*innen für erforderlich einmal anzuhalten, um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen. Hätte ich aktiv versucht jemanden anzuhalten, wäre das sicher gelungen. Dennoch musste ich an den Orient denken, wo es unmöglich erschien, dass in dieser Situation niemand gehalten hätte. So langsam kamen leichte Existenzängste in mir auf. Was machst du, wenn das so weitergeht? Was machst du, wenn das Zelt dem Wind nicht standhält?

Es wurde Zeit noch einmal anzuhalten, um auszutreten. Ich stellte das Rad also in einer geschotterten Haltebucht ab und ging ein paar Schritte auf den Waldrand zu. Dort entdeckte ich einen schmalen Pfad, der weiter in den Wald führte. Gut möglich, dass der zu einer Hütte führte, dachte ich und so war es auch bzw. war es natürlich das traditionelle Sammelsurium von Hütten. Allerdings sah alles ziemlich verschlossen aus, bis auf die Haupthütte! Tatsächlich, die Tür zum Wintergarten klemmte nur, sie war nicht verschlossen. Streng genommen kein Einbruch also. Drinnen war es trocken und der Wind blieb weitestgehend ausgesperrt. Keine lange Diskussion also, der Eigentümer dürfte unter diesen Umständen nichts dagegen haben und selbst wenn, das wäre mir nun herzlich egal gewesen. Aber davon einmal abgesehen, würde bei diesem Wetter an einem Sonntagabend ohnehin niemand seine Sommerhütte aufsuchen, beendete ich meine Gedanken zu dem Thema, als ich wieder an meinem Rad angekommen war. Als ich mir dieses gerade greifen wollte, stellte ich eine etwa 40 cm lange Furche im Schotter fest, die vom hinteren Ständer wegführte. Was zur… da hatte eine Böe doch tatsächlich mein Rad vor sich hergeschoben. Also: Fahrrad geholt und an die Hauswand gelehnt. Eigentlich war es hier ziemlich gemütlich, es hätte schlimmer kommen können. Ganz sorgenfrei ließen mich die sich rund um das Haus biegenden Fichten allerdings nicht. Wie viel die wohl aushielten?

Leider versprach die Wettervorhersage keine wirkliche Besserung für morgen, schlimmer konnte es allerdings auch nicht werden. Daher ging ich bald zu Bett…

…und war entsprechend schon früh wach. Zum Glück hatte der Wind entgegen der Vorhersage allerdings doch deutlich nachgelassen und auch der Regen hielt inne als ich um 5 Uhr aufs Fahrrad stieg. Die Fahrt bis Adak verlief reiz- und ereignislos. Lediglich die dünne nordschwedische Besiedlungsstruktur machte mir nach wie vor zu schaffen, da ich für eine Flasche Leitungswasser einen großen Umweg in Kauf nehmen musste.

Bereits um 12 hatte ich so nach knapp 75 km mein Tagesziel erreicht. Erika hieß mich mit ihrem zunächst skeptisch, bald aber auftauenden überwiegend haarlosen chinesischen Schopfhund in ihrem chaotischen Haus herzlich willkommen. Sie war wieder einmal ein warmshowers-host der selbst gar keine Radtouren unternahm, also lediglich anderen Radreisenden bei Bedarf Obdach gewährte. Couchsurfing lief in diesem entlegenen Winkel eher nicht so. Später kam ihr Mann von der Arbeit und ihre Tochter, die gerade zu Besuch war, kehrte von ihrem ehrenamtlichen Einsatz bei der Organisation des alljährlichen lokalen Filmfests zurück. Zum Abendessen um 16:30 gab es Nudeln mit Hackfleischsauce. Und wer bei Hackfleischsauce jetzt an die beliebte Tomatensauce Bolognese denkt, der täuscht. Es handelte sich tatsächlich um mit Salzwasser abgelöschtes angebratenes Hackfleisch, dass mit Pfeffer abgeschmeckt wurde. Da ich nicht damit gerechnet hatte, dass das Abendessen bereits für 16:30 Uhr angesetzt war, hatte ich mich vollkommen unbedarft für ein kleines Nickerchen hingelegt und musste mir dann, als die anderen schon am Tisch saßen, noch schnell eine Tomatensauce improvisieren.

Ohnehin fiel mir auf, dass Erika und ihre Familie, die teilweise Sami-Wurzeln hatte, irgendwie etwas anders tickten. Ich war ja ursprünglich bereits für den Vortag angemeldet gewesen, hatte aber mit Verweis auf das markante Wetter mehrfache Planänderung bekanntgegeben. Immer hatte sie prompt und freundlich geantwortet, sich aber niemals auch nur ansatzweise nach meinem Wohlbefinden erkundigt oder ähnliches. Hatte ich gestern noch gedacht, dass es in Adak vielleicht nicht ganz so dramatisch zugegangen war, bestätigte mir Erika als ich kurz nach meiner Ankunft von meinen Erlebnissen berichtete, dass es auch hier zu horizontalem Regenfall gekommen war und es sich auch für sie dramatisch angefühlt hatte. Auch hatte sie den Ausdruck ihrer Anteilnahme bei unserer persönlichen Begegnung nicht nachgeholt, indem sie etwa mitgeteilt hätte, sich zu freuen mich wohl auf zu sehen. Dabei war sie die ganze Zeit über sehr freundlich und hilfsbereit, interessierte sich aber z.B. auch in keinster Weise für meine Reise, fragte also hierzu überhaupt nicht nach. Abends fragte ich, ob sie einen Laptop hätte, da ich gerne Bilder vom Handy und von der GoPro zippen und an Julia verschicken wollte. Erikas Mann brachte mir daraufhin innerhalb von 30 Sekunden seinen Rechner, räumte mir uneingeschränkte Verfügungsfreiheit ein und ich machte mich an die Arbeit. Als ich mit meinem eigentlichen Anliegen fertig war, nutzte ich die Gelegenheit endlich mal wieder einen großen Bildschirm zu haben noch für diverse andere Dinge, da Erika ohnehin gerade ihrerseits beschäftigt war. Irgendwann fiel mir jedoch auf, dass ihr Mann die ganze Zeit unruhig durchs Haus schlich, dabei auch alle 15 Minuten bei mir am Küchentisch vorbei kam und bei der Gelegenheit wie zufällig einen Blick auf das Display warf. Mir dämmerte langsam, dass er den Rechner wohl gerne zurück hätte, sich aber nicht zu fragen traute. Als ich wiederum fragte, ob er das Gerät zurück haben wolle, schien ihm ein großer Stein vom Herzen zu fallen und er bejahte erleichtert.

Am nächsten Tag nahm ich mir noch jede Menge Zeit, um wieder auf das Rad zu kommen und verließ Adak nicht vor elf. Erika hatte mir empfohlen für meinen Weg quer durch Schweden nach Helsingborg die E45 zu nutzen, da diese landschaftlich attraktiv und nicht so stark befahren sei. Dazu hätte ich wegen Straßenbauarbeiten hinter Adak allerdings 30 km zurück nach Slagnäs fahren müssen und das war mir dann doch nicht so sympathisch. Ich steuerte also perspektivisch auf die Ostsee zu, als ich am 18. Juli wieder auf der Straße war. Mein Ziel war es nun jeden Tag mindestens 100 km zu schaffen, da ich so schnell wie möglich wieder bei Julia sein wollte. Dies gelang mir trotz des späten Aufbruchs auch an diesem 472. Tag der Reise, allerdings beinhalteten die 102 km auch 11 km Umweg, da ich hinter Malå den Abzweig in Richtung 363 verpasst und stumpf in Richtung Skellefteå weitergefahren war. Sicher hätte ich es an dem Tag noch weiter schaffen können, aber am Ufer des Vindelälven fand ich dann einen derart perfekten Campspot mit Sitzgelegenheit, Tisch, Feuerstelle samt Holz und spektakulärer Aussicht auf die Wassermassen des Kataraktes, dass es für diesen Tag ausreichen musste.

Meine Minderleistung des Vortags kompensierte ich am Folgetag mit einer Tagesetappe von 152 km über Lycksele und Åsele bis zu einem schönen aber mückenreichen und feuchten Campspot im Unterholz am Ufer des Ångermanälven. Kurz vor Feierabend war ich bei meiner Suche nach Wasser auf eine Gruppe rumänischer Waldarbeiter gestoßen, die mir neben Wasser auch Bier und Gras anboten. Beim Bier sagte ich nicht nein.

Das Edwin war noch nass vom Tau der Nacht als morgens der Regen einsetzte. Ich packte also mal wieder alles nass zusammen. Irgendwo fand ich ein kleines Sportbekleidungsfachgeschäft, wo atmungsaktive Regenjacken der finnischen Marke icepeak im Angebot waren. Draußen für minus 50%, drinnen für minus 30%. Nun hatte sich mein israelisches Fundstück aus dem Hause Columbia ja als Reinfall erwiesen und das Cape war mit der Aussicht auf eine perspektivische Rückreise nach Deutschland per Karl-Express in Finnland geblieben. Nach einer kurzen, für die Verkäuferin offensichtlich irritierenden, aber erfolgreichen Verhandlung erwarb ich ein hummerrotes Exemplar, der „drinnen Kollektion“ mit dem Mittelwertrabatt von 40%, das angeblich eine Wassersäule von 10.000 mm (ab 2.000 mm gilt ein Textil als wasserdicht) aushalten soll und entsprechend mit „for extreme conditions“ vermarktet wurde.

Es sollte an dem Tag auch wieder mehrmals regnen und ich bekam bald meine Zweifel, ob der wasserabweisenden Wirkung der ansonsten optisch ansprechenden und tragekomfortablen Kleidungsstücks. Allerdings ist man sich da bei Nieselregen nie so ganz sicher ob die Feuchtigkeit nicht doch in Form von Schweiß von innen herrührt.

Ich folgte den ganzen Tag dem Lauf des Ångermanälven über die Straße 90, als ich hinter Näsåker mal wieder in einen ernsthafteren Regenschauer geriet, den es unter dem winzigen Sonnenschirm vor einer heruntergekommenen Tankstelle abzuwarten galt. Ich hatte mir fest vorgenommen heute auf keinen Fall draußen zu zelten, zumal Edwin noch nass war, da ich eine Trocknung zur rechten Zeit verpasst hatte.

Gegen 16:45 Uhr verließ ich dann die 90 kurz vor dem Mångmanskogens Naturreservat und fuhr zwischen Hauptstraße und Ångermanälven über die Dörfer. Zunächst folgte ich dem Schild zu einem Schwimmbad in der Hoffnung dort in einer Hütte die Nacht verbringen zu können, wie einst am Tag des Aufbruchs aus Neu-Planig, doch die Spur verlor sich bald. Dann fuhr ich einen Shelter an, den ich in der entsprechenden App gefunden hatte, doch dort angekommen musste ich feststellen, dass dieser nur Fuß zu erreichen war und zudem zu klein, um in ihm das Innenzelt aufzubauen. Ich fasste daher den Plan in einer Scheune, einer Garage oder einer Gartenhütte zu übernachten, aber meine Anfragen verliefen im Sande. Keiner hatte Lust mich auf seinem Grundstück unterkommen zu lassen und kleidete diese Kernaussage in das Gewand der Aussage keine Idee zu haben, wo das gehen könnte.

Auf diese Weise kam ich noch viel weiter vorwärts als befürchtet, bis ich schließlich eine Spaziergängerin mit Hund ansprach. Sie wiederum behauptete, dass sie nicht aus dieser Gegend komme und daher auch keine Idee habe. So fuhr ich also wieder weiter und sah nach wenigen hundert Metern einen Mann in der Einfahrt zu seinem Haus, dass von zwei Garagen und mindestens vier Hütten umzingelt war. Wieder versuchte ich mein Glück, aber auch hier bestand offensichtlich kein Interesse daran, einem einigermaßen abgerissen wirkenden Fahrrad-Hausierer, der sich frech-dreist selbst einladen wollte, Obdach zu gewähren und sei es nur in der leeren Garage. Tatsächlich stellte sich meine Not ja auch nicht allzu groß dar, denn das Zelt war nur sehr feucht, nicht jedoch triefend nass. Zudem war es inzwischen aufgeklart und keinesfalls sicher, dass es die Nacht über noch einmal regnen würde. Patrick, ja ich kenne den Namen des Hausherren, was vielleicht schon ein Hinweis auf die weitere Entwicklung der Ereignisse sein könnte, lehnte ab und schlug stattdessen vor, dass ich mein Glück im 10 km entfernten Campingplatz in Långsele, der auch über Hütten verfügte, versuchen sollte. Er wollte immerhin dort für mich anrufen und ging dafür nach ersten Fehlversuchen ins Haus. Dort blieb er so lange bis ich schon vorhatte wieder aufzubrechen. Doch schließlich kam er wieder heraus, um mir einerseits zu erklären, dass er den Campingplatz nicht erreicht habe und andererseits, dass er einen Sinneswandel durchlebt hatte. „We should help each other“, stellte er fest und bot mir an entweder ein (trockenes) Zelt aus eigenen Beständen im Garten aufzubauen oder im Wintergarten zu schlafen.

Beim Wintergarten war ich natürlich sofort dabei und während wir nun gemeinsam in der Einfahrt standen und erzählten, lief in Patricks Rücken die gassigehende Frau an der Einfahrt vorbei und ich gab ihr noch ein heimliches Thumb up. Als ich dann wenig später, mein Gastgeber war inzwischen im Haus verschwunden, begann mich im Wintergarten einzurichten, kam die Frau zurück und ging schnellen Schrittes und starren Blickes die Einfahrt entlang und verschwand im Haus ohne ihren Augen ein Schweifen nach links oder rechts einzugestehen. Es handelte sich also um die Ehefrau von Patrick und sie hatte mich zwanzig Minuten zuvor einfach angelogen mit der Behauptung sie sei nicht aus der Gegend. Da stellte sich mir die Frage warum. Schließlich geschah dies ohne Not, sie hätte ja auch ebenso gut sagen können, dass es bei ihnen leider nicht ginge. Jetzt schämte sie sich offensichtlich und ich empfand, verdorben wie ich bin, eine gewisse Schadenfreude.

Patrick brachte mir später noch eine Thermoskanne mit heißem Wasser und stellte in der Garage, wo wir gemeinsam das Edwin zum Trocknen aufgehangen hatten, sogar noch die Klimaanlage an. Das war natürlich vollkommen übertrieben, ich intervenierte jedoch nicht, um die Illusion der dramatischen Lage aufrecht zu erhalten.

Die Hausherrin verließ am nächsten Morgen das Grundstück mit dem Auto, während sie erneut sehr konzentriert versuchte keinen Blick nach links oder rechts zu werfen. Patrick erzählte mir noch ein wenig von seinem Job als Feuerwehrmann und die diesjährigen Waldbrände und ich stellte erleichtert fest, dass er die durch mich erzwungene, seinerseits mir zunächst nur mit Widerwillen entgegengebrachte Gastfreundschaft offenbar im Nachhinein doch für richtig befunden hatte. Ich bedankte mich mehrfach und machte mich wieder auf den Weg. Es hatte übrigens nicht mehr geregnet in dieser Nacht.

Schon bald verließ ich den Lauf des Ångermanälven und folgte nun einem seiner Zuflüsse, dem Faxälven, verließ auch diesen aber schon wieder auf dem Weg nach Sundsval, wo ich endlich an die Ostsee stoßen wollte. Nicht erst seit heute fühlte ich mich wirklich nicht mehr fit, ich benötigte dringend einmal eine Pause. Zwischen mir und meinem letzten Ruhetag in Norwegen lagen zwölf Tage, über 1.200 km, mehrere tausend Liter Regen und 125.465 kN Gegenwind.

Aber mit dem Pause machen war das gar nicht so leicht. Nicht nur hatte ich den Wunsch und das Pflichtgefühl so schnell wie möglich wieder bei Julia zu sein, auch trieb mich das schlechte Wetter so wie die viel zu hohen Übernachtungspreise für ein alternatives unterkommen in einem Hostel oder Hotel immer weiter. Auch heute regnete es wieder und in den Unterstellpausen schleppte ich mich relativ unmotiviert die Hügel herauf durch eine zwar liebliche aber doch auch sehr monotone Landschaft. Die größte landschaftliche Abwechselung stellte am frühen Nachmittag ein kleines von einem nicht lange zurückliegenden Waldbrand betroffenes Areal dar.

Etwa 15 km vor Sundsval entdeckte ich auf der Karte einen vielversprechenden Spot für eine Übernachtung und wurde nicht enttäuscht. Vor einem Café, das in einem alten Bauernhof untergebracht war, durfte ich mein Zelt auf einer Bühne aufbauen, also überdacht. Darüber hinaus gab es eine Toilette, fließendes Trinkwasser, Tische und Bänke sowie ein offenes städtisches WLAN.

Das Überdach hätte ich mal wieder nicht benötigt, denn die Nacht bleib trocken. Bald schon war ich in Sundsval, wo ich mich entschieden hatte den Tag zu verbringen und nur am Abend noch einmal ein Stück aus der Stadt herauszufahren. So hätte ich wenigstens einen halben Ruhetag. Sundsval war ganz hübsch, aber ich war längst an allen Eindrücken überreizt und mein Interesse an Sightseeing war verpufft. Mangels einer Mall hangelte ich mich durch die offenen WLANs der verschiedenen Läden in der Fußgängerzone bis ich irgendwann auf dem Parkplatz eines LIDLs landete, auf dem ich mich noch ein Stündchen der Fahrradpflege widmete.

Abends verließ ich die Stadt dann planmäßig und kam zufällig an einem Campingplatz vorbei, der für das Aufschlagen eines Zeltes einen tagesaktuellen Preis von 32 Euro aufrief. Natürlich kam das nicht in Frage und wenige Kilometer weiter landete ich auf dem Gelände eines Industriemuseums. Die Ähnlichkeiten zum vorangegangenen Schlafplatz waren frappierend: Ich zeltete nur mit Innenzelt auf einer Bühne und konnte mich über das offene städtischen WLAN mit neuen Podcasts über die ARD-Audiothek versorgen. Die Sonne schien und ein wenig Erholung hatte ich mir auch gönnen können. Allerdings war ich nun in die Peripherie der Küsten-Schnellstraße E4 geraten, die mir auf den kommenden über 900 km bis Helsingborg noch den ein oder anderen Nerv rauben sollte.

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8 Gedanken zu “vorwärts kommt man schon irgendwie 🇸🇪

  1. Erstaunlich, dass du durchgehalten hast, obwohl die Umstände recht widrig waren. Aber Zugfahren war ja wohl auch keine Alternative, weil Räder nicht vorgesehen sind. Gut dass du endlich wohlbehalten angekommen bist.

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