#tilmannontour – Schneller mit dem Fahrrad nach Schweden ging es nicht
Tag 466 bis 469 (12.07. bis 15.07.23)
Distanz: 520 km (∑ 25.949 km)
Höchster Punkt: 770 m
Tiefster Punkt: 5 m
Rauf: 6.160 m
Runter: 5.680 m
OK, die Entscheidung war noch nicht gefallen als ich mich um ca. 17 Uhr nach anderthalb Stunden Herumgedöse wieder auf das Rad schwang. Die Entscheidung sollte unterwegs reifen. Der Wind hatte noch nicht ganz so deutlich nachgelassen wie erhofft, aber mein Shelter war nicht so gemütlich und ich wollte endlich vorwärts kommen.
Den Børhella Leuchtturm erreichte ich gegen 19 Uhr, machte mir aber nicht die Mühe bis zu ihm vor zulaufen und begnügte mich damit, das futuristische Toiletten-Häuschen aus Beton mit von außen verspiegeltem, schaltbarem Glas anzuschauen. Von Innen konnte man per Knopfdruck entscheiden, ob man den Panoramablick oder milchgläsernes Diffuslicht hineinließ, während von außen freilich die Verspiegelung aufrecht erhalten wurde. Hoffe ich doch! Als ich schon wieder weiter wollte, entdeckte ich in mittlerer Distanz noch einen alten Bekannten und zwar den Belgier, den ich mit Karl beim Einkaufen getroffen hatte. Egal wo man sich herumtreibt, die Welt ist klein. Allerdings erkannte er mich nicht und ich wollte ja ohnehin schnell weiter.
Da mir das dortige Kranwasser nicht ganz geheuer war, ersuchte ich in der nächsten Siedlung um den Austausch des nur für den Notfall vorgesehenen Inhalts meiner Flaschen. Der erste Bauer gewährte mir lediglich die Wiederbefüllung einer Flasche und ich hatte den deutlichen Eindruck, dass es sich nicht um ein Missverständnis handelte. Nebenan bekam ich hingegen nicht nur Wasser satt sondern auch ein Eis.
Jetzt fuhr ich in die helle Nacht hinein ohne ein klares Ziel zu haben. War ich auf der Suche nach einem Schlafplatz auf Andøya? Wollte ich mal wieder die Nacht durchfahren? Und wenn ja, wohin? Wollte ich auf Hinnøya angekommen bis Lødingen fahren und dort die Fähre nach Bognes nehmen zurück auf das norwegische Festland? Sollte ich auf die Fähre verzichten, wieder in Richtung Osten über die Tjelsund-Brücke fahren und dann noch den ganzen Ofot-Fjord umrunden? Oder sollte ich südlich des Gulles-Fjord doch noch den Abzweig auf die Lofoten nehmen? Ich beschloss erst einmal gar nichts und fuhr weiter. Für das, was ich dabei sah verweise ich auf die Bildergalerie, meine kläglichen Versuche das zu verschriftlichen würden der Realität noch weniger gerecht als es auch schon die Fotos tun.
Bald hatte ich Andøya auf der Andøybrua über den Risøysundet verlassen und zumindest noch keinen Schlafplatz gefunden, der mich überzeugte. Auch auf Hinnøya lud mich erst einmal nichts zum Verweilen ein und ich blieb dem Kurs in Richtung Süden treu. Es wurde Mitternacht und ich checkte den Fahrplan der Fähre von Lødingen, bis wohin es noch etwa 60 km waren. Ich war seit meinem Aufbruch auf Senja inzwischen ca. 120 km gefahren. 5:15 Uhr ging die erste Fähre. Das sollte zu schaffen sein.
Mit dieser Erkenntnis fuhr ich jedoch zunächst unentschieden eine Weile weiter, wägte im Kopf alle Möglichkeiten noch einmal ab, bis es mir schließlich glasklar vor Augen kam: Meine schwangere Freundin wartete quasi jetzt schon in Südschweden auf mich und bis dort würden es nun selbst auf dem direkten Weg noch etwa 1.800 km sein. Es war doch offensichtlich wie es weiter gehen musste. Ab nach Lødingen, ab nach Bognes, ab nach Schweden und zwar Vollgas. Julia, ich komme!
Um ca. 4:45 Uhr rollte ich in den kleinen Hafen ein, wo die Fähre schon bereit stand und sich schon einige Autos in Reihe aufgestellt hatten. Das Wartehäuschen wartete mit sauberen Toiletten und warmem Wasser sowie einem gemütlichen kleinen Warteraum mit mehreren Warte-Tisch-Stuhl-Gruppen, wie in einer einfachen Gastwirtschaft auf. Übernachten war allerdings untersagt. Seit Senja war ich nun schon 184 km näher an Julia herangekommen.















Die Fährfahrt war mit einer knappen Stunde kurz genug, dass selbst ein Powernap nicht viel Sinn ergab und so kam ich ehrlich gesagt inzwischen doch ein wenig müde um kurz nach 6 in Bognes an. Schon nach wenigen Metern fiel mir auf, dass die Landschaft hier bei weitem nicht mehr so spektakulär war, wie in den vergangenen zwei Wochen. Hier zwischen Stordjupet-Kanal und Tysfjord erinnerte der Ausblick auf endlose Fichtenwälder jetzt schon stark an Finnland bzw. an das was ich von Schweden erwartete. Es sollte allerdings zwischendrin auch immer wieder einmal etwas interessanter werden. Ich musste jetzt der E6 folgen, was sich bald in mehrerer Hinsicht, insbesondere in meiner momentanen Verfassung, als ungünstig erwies. War ich auf Andøya und Hinnøya noch weitestgehend ohne fiesere Steigungen ausgekommen, so war die Route hier wesentlich profilierter. Zudem war der Verkehr dicht und die Straße eng. Das Radfahren machte plötzlich mal wieder nicht mehr viel Spaß. In Ulvsvag vergaß ich beim Einkaufen mein Brot im Einkaufswagen und gegen Mittag kam der Punkt an dem ich keine rechte Lust mehr hatte. Aber, ein geeigneter Schlafplatz war hier kaum zu finden. Links und rechts der Straße ging es überwiegend steil bergauf bzw. bergab und wo ein Weg von der überfüllten Straße wegführte, endete dieser bald vor einer privatbesitzschützenden Schranke. Gegen 12 musste ich ein weiteres dieser Verbote jedoch ignorieren und verschaffte mir Zutritt auf ein abschüssiges Gelände auf dem einige verwaiste Hütten herumstanden. Einen geeigneten Platz zum Zelten gab es nicht wirklich, eigentlich wollte ich das auch (noch) nicht und so blies ich lediglich meine Luftmatratze auf, die ich auf eine kleine Holzveranda vor einer Hütte legte. Während unweit von mir die Straße dröhnte rückten nun die Bremsen an und ließen keine Ruhe aufkommen. Schließlich kam auch noch ein Auto angerollt, fuhr allerdings zum Nachbargrundstück und schenkte mir keine Beachtung. Trotzdem hielt ich es hier nicht länger als eine Stunde aus, suchte auf der Karte nach einem besser geeigneten Spot und wurde an einem Fluss fündig.
10 km später stellte sich die Kartendiagnose als korrekt heraus und im Birkenschatten neben einem mächtigen Fluss an einer Nebenstraße auf der ich den Krakmo-Tunnel umfahren hatte, konnte ich das Innenzelt aufbauen für einen Mittagsschlaf. Erst einmal nutzte ich jedoch das vertretbar warme Wasser des Flusses für eine längst überfällige intensive Körper- und oberflächliche Kleidungswäsche. Seit Bognes war ich schon wieder über 70 km weit gefahren, seit Senja also fast 260 km. Zudem hatte ich bereits etliche Höhenmeter überwunden, die allerdings auch immer wieder in bald darauf folgenden Abfahrten verpufften. Immer wieder fand ich mich neben großen Wasserflächen wieder, die sich bei näherer Überprüfung auf der Karte als Fjorde oder Buchten herausstellten, also war auch ich wieder auf dem Meeresspiegel angekommen.
Der leichte kurze Schlaf wurde nach etwa einer Stunde von einem hellen rauschen, dessen Frequenz sich selbst unterbewusst eindeutig vom tieferen Rauschen des nahen Flusses deutlich abhob unterbrochen. Regen, natürlich! Den zweiten vor dem ersten Schritt nehmend, lies ich nun zunächst die Luft aus meiner Matratze (ich hatte sie ja innerhalb von drei Stunden schon zweimal befüllt) und wollte dann schon das Zelt einpacken. Dann erst stellte ich, gestützt von einem Abgleich mit dem Regenradar, fest, dass ich mich wirklich nur ganz am Rande einer vorbeiziehenden Regenfront befand und es sich mit den 20 Tropfen tatsächlich bereits erledigt hatte. Ich blies die Matratze also wieder auf und döste noch einmal eine Weile herum, bis ich gegen 20:30 Uhr das Gefühl hatte es sei Zeit zum weiter fahren. Warum aber blieb ich nicht einfach hier, baute das Überzelt noch auf und alles war gut, Schlafrythmus wieder hergestellt. Das Problem war die E6, zu der es keine (langfristige) Alternative gab. Sie war am Tag so stark befahren, dass ich die Nachtfahrt trotz des damit nun einhergehenden Schlafdefizits für das weitaus kleinere Übel hielt.
Das mit der Alternativlosigkeit sollte sich jedoch schon bald als Irrtum herausstellen. Nachdem ich eine weitere Hochebene überquert hatte, erreichte ich rund 16 km nach meiner abendlichen Weiterfahrt einen Abzweig, den Komoot mir vorschreiben wollte. Geradeaus ging es durch den Kobbskaret-Tunnel, auf den auf einem 15 km langen Abschnitt der E6 bis zum Ende Leir-Fjord zwei weitere Tunnel folgten. Die Tunnel machten die Strecke weitestgehend eben. Komoot sagte mir jedoch ich müsse einen 25 km langen Umweg am Horndals-See entlang nehmen, der einen einen Anstieg von insgesamt 520 Höhenmeter und am Ende eine Steigung von 12% beinhalten würde. Und leider hatte die eher ungeliebte App diesmal recht, der Tunnel war für Radfahrer*innen verboten. Inzwischen war es etwa Viertel vor elf und der Verkehr, der nach wie vor natürlich stark tourismusgeprägt war, hatte entsprechend deutlich nachgelassen. Eigentlich könnte ich das Risiko doch wohl wagen. Aber nein, bereits der Kobbskaret-Tunnel war 4 km lang, ich hatte schon vor Tagen meine Warnweste verloren, ich würde bald zum ersten mal im Leben Verantwortung übernehmen müssen. Ich fügte mich dem Verbot.
Bereits am ersten kurzen Anstieg fühlte ich mich schon wieder vollkommen ausgelaugt und obwohl die letzte Mahlzeit nicht einmal 20 km her war, musste ich schon wieder anhalten für eine stärkende Rast. Die Umfahrungsroute stellte sich dann auch immerhin als schön und fast vollständig unbefahren heraus, aber zumindest ersteres konnte mich inzwischen auch nicht mehr so richtig beeindrucken. Es hatte sich (wie schon im letzten #tilmannontour Beitrag angedeutet), nicht erst seit Andøya ein gewisser Sättigungseffekt bezüglich schöner Landschaften eingestellt und eine Nachtfahrt im Zwielicht hatte ich ja bereits gestern erleben dürfen.
Schließlich kam ich wieder auf der E6 an und nun durfte ich auch wieder die unzähligen Tunnel befahren, welche die Norweger aus schierem Überfluss an entsprechender Bauingenieurskunst und finanziellen Mitteln alle Nase lang durch den Granit bohren, um aller Welt zu zeigen, was sie können.
Schon wieder war es Zeit für eine Stärkung und obwohl Bank und Tisch am nächsten Rastplatz belegt waren und ich überhaupt keine Lust auf Konversation hatte, fuhr ich diese an. Ein türkischer Lkw-Fahrer hatte gerade zwei deutschen Motorradfahrern etwas mit dem googletranslator erzählt, als ich Platz nahm. Die zwei Männer in voller Schutzmontur hatten sich ebenfalls gerade erst getroffen und waren mit der Fähre von den Lofoten in Bodø angekommen. In Good-Cop/Bad-Cop-Manier zeigte der eine Begeisterung für meine Reise und das gewählte Transportmittel während der andere im schwäbischen Dialekt seine Skepsis zum Ausdruck brachte und betonte, dass für ihn das Motorrad das perfekte Reisemittel sei. So könne man ein bürgerliches Leben mit Erwerbsarbeit, Sportverein und Band locker mit einer Reise ans Nordkapp kombinieren.
Ich war wirklich drüber und an ein Durchfahren bis zum Wiedererstarken des Verkehrs am Morgen war nicht zu denken. Ich wollte aber zumindest noch die 11 km bis zu einem Zelt-Spot schaffen, den ich auf iOverlander entdeckt hatte und der mir für ein Ausharren tagsüber geeignet schien. Es handelte sich um einen gesperrten aber per Rad erreichbaren ehemaligen Abschnitt der E6, die auf diesen anderthalb Kilometern inzwischen natürlich durch einen Tunnel verlief. Dort gab es sogar einen Wasserfall, auch die Wasserversorgung war also gewährleistet.
Als ich schließlich dort ankam, war ich allerdings zunächst etwas beunruhigt als ich eine Mischung aus Geröll und zersplitterten Astfragmenten auf dem alten Asphalt entdeckte. Es sah so aus, als ob ein Troll im Blutrausch hier durchgepflügt wäre. Das hielt ich zwar für unwahrscheinlich, dennoch hatte hier offenbar ein Steinschlag stattgefunden. Nach kurzer Analyse stellte ich jedoch fest, dass sich dieses Bild lediglich im direkten Umfeld des Wasserfalls bot, der sich bei entsprechenden Wassermassen wohl offensichtlich gerne mal als derber Geselle inszenierte. Diese waren allerdings bei aktueller Wetterlage nicht zu erwarten und außerdem bot die Piste ja durchaus genug Platz, um sich in unter allen Umständen sicherer Entfernung niederzulassen. Ich tat dies auch endlich gegen halb drei und 129 km seit Bognes.
















Seine Eignung als Tageslager konnte der Rastplatz jedoch nur bedingt unter Beweis stellen. Er bot kaum Schatten und als die Wolkendecke am späten Vormittag aufriss, heizte die Sonne mir mächtig ein. Schwachsinnigerweise baute ich daher nach einer Weile das Zelt ab, wollte es mir aber in einem kleinen Bereich im Halbschatten auf der Luftmatratze noch einmal gemütlich machen. Es dauerte nicht lange bis ich diese Torheit bereute als die ersten Bremsen anrückten und begannen auf mich einzustechen. In der Greenscreen, in der ich mich nun versuchte zu verbergen war es viel zu heiß und so blieb mir nichts anderes übrig, als das Zelt wieder aufzubauen. Inzwischen war immerhin an einer anderen Stelle wieder etwas Schatten entstanden, an der ich das Zelt nun platzieren konnte.
Ab 17 Uhr war für drei Stunden leichter Regen vorhergesagt und da ich verhindern wollte, dass das Zelt nass wird, wollte ich bis dahin wieder auf dem Rad sein. Das bisschen Regen würde schon nicht so schlimm sein. Relativ pünktlich um fünf war ich also wieder auf dem Rad und auch der Regen setzte in etwa wie vorhergesagt ein. Allerdings konnte von leichtem Regen keine Rede sein und so strampelte ich bald in den kurzen Momenten weniger intensivem Niederschlags eilig von Tunnel zu Bushaltestelle, die entsprechenden Schutz boten. So kam ich natürlich nicht sonderlich schnell voran und hatte die Stadt Fauske nach 44 km erst gegen zehn Uhr erreicht. Dort steuerte ich den nächsten Supermarkt an, der glücklicherweise über ein gigantisches Vordach verfügte.
Um 23 Uhr sollte laut Vorhersage der Regen enden und zur selben Zeit auch der Supermarkt schließen. Nur auf den Supermarkt war allerdings Verlass und so entschied ich mich für ein kleines Nickerchen auf der Bank unter dem Vordach. Ich war ja seit Ende März 2022 tatsächlich obdachlos und nun verhielt ich mich auch endlich dem Klischee entsprechend. Da vor dem Laden allerlei Kameras installiert waren, hielt ich den Umstand, dass um 23:30 Uhr plötzlich starke Leuchtkörper über mir aufglommen, durchaus für das Werk wahlweise einer Penner-Abwehr-KI oder Sicherheitskraft. Als dann um zwölf ein Auto aufgrund seiner Beschriftung offensichtlich gewerblich genutztes Auto anrollte, war ich mir sicher von dem prompt aussteigenden und zügig auf mich zu schreitenden Mann nun verjagt zu werden, es handelte sich allerdings lediglich um einen Zeitungslieferanten.
Bis etwa drei/halb vier gelang mir mit der Schlafbrille ein halbwegs erholsames Gedöse, dann aber war es aber genug des Elends und schließlich hatte auch der Regen sich zur Gnade entschieden.









Ab jetzt war klar wo die Reise hingeht: Schweden war nun in Schlagweite, knapp 90 km bis zum Grenzübergang Saltdal-Arjeplog. Tunnel, Täler, Seen, Fjorde, ein Elch (die zweite Sichtung in Norwegen), dachbegrünte Hütten und das Junkerdalsura-Naturschutzgebiet flogen an mir vorbei. Um kurz nach neun hatte ich den Abzweig von der E6 erreicht, von wo die 77 die Skandinavischen Alpen hinaufführt. Den Kjernfjell-Tunnel sollte ich umfahren? Von wegen, es war nicht verboten also rein da! Fast schon in Schweden ließ ich mich dann aber doch noch einmal aufhalten, als ich mir die tobenden Wassermassen des Graddiselva nicht entgehen lassen konnte. Da musste Norwegen doch noch einmal einen raushauen, um noch einmal klarzumachen welches skandinavische Land der Boss war in Sachen Naturspektakel.
Dann verließ ich Norwegen und erreichte das aller Voraussicht nach vorletzte Land auf unserem Trip, das allseits beliebte Schweden. Gleich schon bei der ersten Rast kurz hinter der Grenze gab es ein kleines Stelldichein mit den kaum weniger uncharmanten Mücken, die hier gegenüber den Bremsen offenbar wieder die Oberhand inne hatten.
Der offensichtlichste Unterschied zu Norwegen (und auch Finnland), der sich bald zeigte war, dass der Norden Schwedens viel dünner besiedelt ist, als jener seiner Nachbarländer. Kaum eine Hütte, geschweige denn ein Ort war zwischen Wäldern und Seen auszumachen. Um 14:20 Uhr erreichte ich den Nordpolarkreis und hatte doch tatsächlich nur das eine mal in Finnland eine ungetrübte Mitternachtssonne erlebt! Erst 74 km hinter der Grenze in Jäkkvik stieß ich auf den ersten Supermarkt und konnte zwar beruhigt feststellen, dass Waschbecken neben dem Pfandautomaten und offenes WLAN auch eine schwedische Tradition darstellen, dass das Preisniveau im Vergleich zu Norwegen aber quasi nicht gesunken war.
Einmal traf ich seit langem mal wieder eine Radreisende, denn inzwischen lagen die Hauptreiseroute des Euro-Velo-1 am Atlantik bzw. südlich von Kiruna in Schweden fernab von meinem Reiseweg. Erst am Ende unseres Gesprächs, nachdem ich eine klare Empfehlung für das Frühstücksbuffet im Touristenkomplex am Nordkapp ausgesprochen hatte, begriff ich auch, dass Christine gar nicht auf dem Weg dorthin war. Es lagen inzwischen schon wieder über 1.000 km zwischen mir und dem 8. Meilenstein.
Schon vor zwei oder drei Tagen hatte ich in Schweden eine warmshowers-Verabredung für den morgigen Tag getroffen. Das war ziemlich optimistisch gewesen und vor dem Hintergrund der geringen Distanz, die ich am Vortag aufgrund des Regens geschafft hatte inzwischen nahezu ausgeschlossen. Andererseits wäre es auch kein Problem gewesen einen Tag später zu erscheinen, aber mein Ehrgeiz war nun einmal entfacht. Als ich abends mein Zelt neben einer stillgelegten Rentierfarm aufschlug, hatte ich an diesem 469. Reisetag 198 km auf dem Tacho (Rekord für einen Kalendertag) und war bereits weit nach Schweden vorgestoßen. Die am kommenden Tag zu überbrückende Distanz bis zu meiner Verabredung in Adak belief sich nun noch auf 120 km. Das sollte doch zu schaffen sein. Nein, war es nicht! Die sich mir in den Weg stellenden Urgewalten sollten ein bisher kaum erlebtes Maß erreichen.



















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