könig karl und das schaufel-schauspiel 🇫🇮

Zwei Fahrradweltreisende gefangen im Mökki-Arbeitslager

Tag 444 bis 448 (20.06. bis 24.06.23)
Distanz: Zwischen Steinbruch und Sandgrube
Höchster Punkt: Die Flucht
Tiefster Punkt: Die Angst
Rauf: 411 Kilo Sand
Runter:
22 Steinbrocken

Karl hatte uns großzügig in sein Sommer-Domizil, seine Mökki, eingeladen und wir hatten uns auf ein paar Tage Entspannung mit Baden im See, Schwitzen in der Sauna und Schaukeln in der Hängematte gefreut. Sicher waren wir auch gebeten worden, uns ein wenig als Brennholzhacker zu betätigen, aber das war natürlich vollkommen in Ordnung bzw. schien es uns genau das richtige zu sein, um bei dem ganzen chillaxen nicht doch noch Langeweile aufkommen zu lassen.

Doch als wir am Morgen nach unserer nächtlichen Ankunft feststellten, dass wir nun mit unseren Rädern hinter einer 5 Kilometer Schotterpiste festsaßen, verwandelte sich Karl in einen vollkommen anderen Menschen. Der mit einem vom brasilianischen Jiu Jitsu gestählten Körper gesegnete Vorzeigeteutone nutze seine körperliche Überlegenheit gegenüber dem nur an den Beinen bemuskelten, jedoch am Oberkörper ausschließlich aus Haut-und-Knochen-bestehendem Tilmann unter ergänzender Androhung von Harpunenschüssen knallhart aus.

Es begann mit der Aufforderung ihm unsere Pässe auszuhändigen. Wir hielten dies zunächst für einen seiner berühmt berüchtigten Scherze, aber seine Miene blieb eiskalt. Gut, hatten seine schauspielerischen Fähigkeiten im letzten Jahr also weiter zugenommen. Als wir nach dem Motto „komm, ist gut jetzt“ abwunken brach seine steinharte Miene auf und ein Lachen kam darunter zum Vorschein. „Ne, war nur Spaß, aber zeigt trotzdem mal, ich will mal die Stempel sehen wo ihr wart“, kicherte er. Also gaben wir ihm die Ausweise schließlich doch, doch im selben Moment glich sein Blick wieder der Frontansicht eines Dodge Ram.

Und plötzlich hatte er eine gespannte Harpune in der Hand. Vollkommen verwirrt, wussten wir nicht wie zu reagieren und starrten nur fassungslos. Karl war doch unser Freund, er musste sich doch einen Spaß erlauben. Aber uns war jetzt nicht mehr nach Spaß zumute. Wir waren also gefangen, wie eine Kröte, die zwischen zwei Holzdielen feststeckte.

Auf Englisch erklärte er nun: „Well, there are two kind of people in this world: Those with loaded guns,“ wobei er auf seine Harpune wies, „and those who dig. You dig“, und reichte Tilmann eine Schaufel. Vollkommen verwirrt machte der sich tatsächlich an die Arbeit, noch immer hoffend, dass es sich um ein Spiel handelte, bei dem es der Freund gerade ein bisschen zu weit trieb, dass sich aber dennoch bald aufklären würde. Doch wir warteten vergebens auf die Auflösung.

Die kommenden Tage schuftete Tilmann in der sengenden Sonne mit bloßen Händen wie ein wahnsinniger. Er musste Gruben ausheben, Steine aus diesen herausholen und Sand schaufeln bis zur totalen Erschöpfung, meist bis zu 16 Stunden am Tag. Karl überwachte die Zwangsarbeit in dem er Tilmann pausenlos mit gespannter Harpune und Argusaugen beobachtete. Zum Überleben gab es täglich lediglich eine Portion heißes Seewasser in dem einige Kiefernzapfen schwammen.

Bei der körperlichen Höchstbelastung reichte diese Minimalverpflegung natürlich kaum aus und so verlor Tilmann Tag für Tag immer mehr an Gewicht und Energie. Wenn er aufgrund dieses Kräfteverlustes bei der Arbeit einmal stürzte, setzte es gleich drakonische Strafen in Form körperlicher Züchtigung.

Julia, die zunächst von Karl für das selbe Arbeitsprogramm vorgesehen war, wurde zum Glück dann doch einigermaßen verschont, aus Gründen die wir später noch erläutern werden. Sie wurde in der Küche angekettet und musste für Tilmann und sich selbst das Seewasser mit Kiefernzapfen zubereiten und für Karl jeden Tag einen Elch braten.

Am sechsten Tag sollte sich das Blatt schließlich wenden. Karl war in seinem Überlegenheitsgefühl so überheblich geworden, dass er davon ausging für genug Angst und Schrecken gesorgt zu haben, um unseren Willen dauerhaft gebrochen zu haben. Das führte, dieses Phänomen lässt sich bei Despoten jeder Couleur beobachten, zu Nachlässigkeit. Er verzichtete jetzt weite Teile des Tages darauf, unsere Arbeit zu überwachen und zog es vor dem Müßiggang nachzugehen, gönnte sich beispielsweise ein Nickerchen in der Hängematte.

Die Chance war gekommen. Tilmann schlich sich aus seiner Grube, packte sein Fahrrad sowie all seine Habseligkeiten auf Karls Ruderboot und brachte die Harpune an sich. Sodann weckte er den in der Hängematte dösenden ehemaligen Freund und zwang diesen ihn mit dem Boot auf die andere Seeseite überzusetzen. Dort angekommen versenkte er das Boot, schwang sich auf sein Rad und warf die Harpune nach einigen Kilometern ins Gebüsch. Die Flucht war gelungen und Tilmann verhöhnte seinen Peiniger mit einem spöttischen Video-Gruß auf Instagram.

Doch einen Moment! Die Flucht war gelungen? Doch wohl nur zu 50%! Was war mit Julia? Hatte Tilmann sie in seiner Panik etwa einfach vergessen? Waren aufgrund seiner Pein seine Sinne derart getrübt, dass er nur noch an sich selbst hatte denken können. Nun ja, vergessen hatte er seine Partnerin nicht, doch hatte er geglaubt, dass sich seine Fluchtchancen stark minimieren würden, wenn er sich auch um ihre Befreiung hätte kümmern müssen. Eigensinn und Feigheit, wahrhaft niedere Motive hatten sich seiner bemächtigt, um seine eigene Haut zu retten und seine Liebe kaltblütig im Stich zu lassen.

Als Karl durch den See zurückgeschwommen war und Julia von dieser schändlichen Tat berichtete, gefror ihr Herz zu Stein und sie schwor sich, dass selbst wenn sich ihre Wege einst wieder kreuzen würden, ihre Flamme für Tilmann für immer erloschen war.

Was um alles in der Welt war hier passiert? Das konnte doch alles nicht wahr sein! Karl war doch unser Freund! Tilmann war doch nicht so ein elendiger Egoist! Julia wusste doch gar nicht, wie man einen Elch zubereitet! Warum musste plötzlich alles ausgehen wie in einem uralten Zelluloid-Film und wieso hatten wir mit Karl plötzlich Englisch gesprochen?

….Doch wie es dazu kam, werdet ihr erst erfahren, wenn es wieder heißt: Appi! Dappi! Vollgas!

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8 Gedanken zu “könig karl und das schaufel-schauspiel 🇫🇮

  1. …. ich könnte am 10.8. wohl auch – für den Fall, dass Günther nicht eingeladen wird ;-). Betreffend Alternativterminen donnerstags ist außerdem zu bemerken, dass Achim, Günther und auch ich bis mindestens 18:00 Uhr gemeinsam mit Yogabeschäftigt sind…. Danach ginge es aber wohl, wenn wir nicht mit den anderen Yogis Eis essen gehen 😉
    Freu mich trotzdem schon und komme morgen (Donnerstag) vielleicht mal wieder ins Büro (nachdem ich zuletzt montags, mittwochs und freitags kaum eine Seele außer dem Nachfolger von Günther angetroffen habe…. 😉
    Viele Grüße Von Matthias
    >

      1. ….rätselhaft… hatte mich schon gewundert, wo diese Mail abgeblieben war… jetzt bin ich etwas schlauer, .. wie das passiert ist… verstehe ich aber immer noch nicht… auf jeden Fall aber vielen Dank für den Hinweis, scheinbar habt’ ihr gerade genug Muße… ist ja auch mal ganz schön 😉

        Ach ja, wir haben den Termin dann verschoben, nach vorne sogar, …war sehr schön…. und alle – einschließlich Günther waren dabei 😉

        herzliche Grüße Von Matthias

  2. Der arme Karl! Sieht denn niemand seine Pein: Er musste 16 Stunden täglich am Stück auf euch aufpassen, ganz ohne Pausen!

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