unser freitag im sandsturm 🇸🇦

Das größte Problem beim Radfahren in Saudi Arabien ist der Wind

Tag 259 bis 265 (17.12.22 bis 23.12.22)
Distanz: 527 km
Höchster Punkt: 1.080 m
Tiefster Punkt: 610 m
Rauf: 2.720 m
Runter: 2.400 m

Wir schreiben diesen Text um drei Uhr Mittags einen Tag vor Heilig Abend. Wir sind im Zelt, die Wände wackeln und alles ist mit einer feinen Sandschicht bedeckt. Es fegen Windgeschwindigkeiten von bis zu 42 km/h über uns hinweg, die viel Sand mit sich führen. Ein Sandsturm also, auch vor dieser Katastrophe wurden wir nicht verschont.

Manch einer, inklusive uns selbst, mag sich wohl fragen, warum wir nach Saudi Arabien gefahren sind. Polizeieskorte, Sandsturm und Unmengen an Müll. Nein, dieses Land hat uns seine schönen Seiten bisher verborgen. Die Wüste ist karg und erbarmungslos, die Orte sind runtergekommen und verfallen.

Natürlich ist unsere Hauptmotivation, möglichst unsere ganze Reise mit dem Fahrrad zu bestreiten. Abgesehen davon sind wir jedoch auch der Überzeugung: Wer die Welt sehen will, kann sich nicht nur die Rosinen raus picken. Auch dieses Land gehört zur Welt und ist spannend zu entdecken.

Auf den Sandsturm hätten wir jedoch verzichten können. Als wir am 17.12.2022 in Riyadh bei Moh aufbrachen, war bestes Wetter, tatsächlich hatten wir mal etwas Rückenwind, und beim passieren der sehenswerten Abbruchkante Jebel Tuwaiq (die wir am Vortag beim Camel Trail schon aus der Nähe betrachtet hatten) ging es zunächst eine ganze Weile bergab. So kamen wir auf dem eher unattraktiven Highway 40 gut voran. Teilweise konnten wir auf der Parallelstraße der Parallelstraße zum Highway fahren und die Schäbigkeit der Orte bestaunen.

Aberwitzige Anzahl verlassener Tankstellen

Überall lag Müll und Schrott, viele Häuser verfielen oder waren Bauruinen. Doch was uns in diesen Tagen besonders verwirrte, war die aberwitzige Anzahl von verlassenen Tankstellen in jedem erdenklichen Status: Halb fertig, nie eröffnet, gerade wieder geschlossen. Ok, einige wenige hatten auch auf, aber das war nur ein kleiner Anteil, das Verhältnis lag bei etwa 9 zu 1. Ein vieles besser wissender Follower von uns auf Instagram erklärte, viele Tankstellen hätten aufgrund neuer gesetzlicher Umweltauflagen schließen müssen. Das kann aber nur die halbe Wahrheit sein, denn viele der verwaisten Tankstellen waren ja brandneu und teilweise kurz vor der Fertigstellung aufgegeben worden. Wir gehen daher auch von Korruption, Misswirtschaft und Fehlplanung aus. Selbst wenn es nur an einer neuen Umweltgesetzgebung liegen sollte, so wäre deren Implementierung auf diese Weise schärfstens zu kritisieren, da die nun sinnlos mit hohem Energieaufwand in Bewegung gesetzten und nutzlos gebundenen Ressourcen der Umwelt auch nicht dienen.

Die erste Nacht verbrachten wir auf Mohs Empfehlung hin an dem unweit des Highways gelegenen Graffiti Rock, der aus der Wüste hervorwuchs und auf dem Menschen über Jahrtausende hinweg (wahrscheinlich überwiegend in der Jungsteinzeit 10.000 vis 3.000 v Chr.) Abbildungen von Tieren und Jägern in den Stein gemeißelt haben. Die fröhliche künstlerische Verewigung in dem weichen Sandstein geht bis heute munter weiter, da die hasenfüßige Umzäunung der Felsformation selbst für den Beleibtesten mit seinem Pickup verwachsenen Araber kein ernsthaftes Hindernis darstellt. Das „Kassenhäuschen“ der Saudischen Kommission für Tourismus und nationales Erbe lag verlassen dar und die Wüste eroberte es sich inzwischen zurück. Der aus der Herrentoilette dringende Geruch rührte nicht von deren einstigen Nutzung, sondern von den in ihr verendeten Hunden her. Vermutlich war die Tür einmal hinter den Streunern zugefallen, als sie in einem Sandsturm um Schutz suchten.

Abgesehen von diesem kleinen Highlight gab es, wie gesagt, nicht viel Schönes zu entdecken auf dem Weg nach Mekkah. Dafür umso mehr LKW, die an uns vorbei rauschten. Die Wüste wechselte zwischen rot-sandig, grau-vermüllt und Stechbaum-Steppe. Am Mittag von Tag 260 wollten wir in einer Mall Lebensmittel und gescheite Kopfhörer kaufen, denn auf dem Highway war es derart laut, dass Tilmanns bisher gelegentlich verwendeten Kopfhörer nicht in der Lage waren, gegen diesen Lärm anzubrüllen. Dass überhaupt Kopfhörer von Nöten waren, lag daran, dass uns Monotonie aus Verkehr, Landschaft und Abfall dazu zwangen mit Hörbüchern unsere geschundenen Großhirnrinden zu balsamieren. In der brandneuen Mall von Al Quway Iyah hatte allerdings bisher nur der Hypermarket eröffnet, sodass wir das zweifelhafte Vergnügen hatten eine weitestgehend leere Mall zu besuchen. Wir verbuchten dieses mäßig berauschende Ereignis mangels anderer Ablenkungen dennoch als Highlight. Als Lowlight verbuchten wir hingegen den offensichtlich schweren Verkehrsunfall zwischen zwei LKW, an dessen Resten wir vorbei fuhren.

Wir sorgten mittlerweile jedenfalls wieder ordentlich für Aufregung, wenn wir durch die Orte fuhren. In der nächsten Nacht wollten wir in einem Park nahe der Autobahn im Ort Ar Ruwaydah verbringen und auf den 850 Metern zwischen Ausfahrt und Park wurden wir 5 mal angehalten und mussten Auskunft über unsere Herkunft geben. Eine Gruppe junger Männer war dabei so aufgeregt, dass alle hysterisch durcheinander schrien, sodass Tilmann sie zur Mäßigung aufrufen musste. Eine halbe Stunde vorher hatten wir allerdings auch jeweils eine Rose überreicht bekommen.

Wir waren froh, als wir unsere Fans abgeschüttelt hatten und ließen uns schließlich an einer neuen Tisch-Bank-Kombination nieder. Der kalte Wind pfiff uns jedoch um die Ohren und so konnten wir diesen seltenen Komfort nicht wirklich genießen.

Wir waren früh auf den Beinen, jedoch als wir noch am Einpacken waren, wurde eine Busladung Bauarbeiter direkt bei uns rausgelassen, die an dem noch halb im Aufbau befindlichen Park arbeiten sollten. Motiviert gingen die vermutlich aus Bangladesh stammenden Arbeitskräfte nicht ans Werk, sondern bildeten einen Kreis um uns und starrten uns ohne ein Morgengruß unentwegt an. Wir sind ja mittlerweile daran gewöhnt begafft zu werden, aber dieses Verhalten ging uns nun doch etwas zu weit und wir beschlossen woanders unser Frühstück einzunehmen.

Einen scheinbar ruhigen Platz fanden wir im Park des nächsten Ortes und konnten uns auch noch mit frischem Brot eindecken. Doch auch hier blieben wir nicht lange allein. Ein Auto hielt neben uns und der Fahrer beglückte uns mit arabischer Musik, kleinen Tanzeinlagen und herumflatternden Flugblättern, die sich bei näherer Betrachtung als Seiten aus der Bedienungsanleitung seines Autos erwiesen. Optisch erinnerte der etwas durcheinander wirkende Herr an die von Johnny Depp verkörperte Hauptrolle eines Crossovers von Pirates of the Caribean und Dune der Wüstenplanet.

Obwohl wir versuchten ihn im Wesentlichen zu ignorieren, schien er Gefallen an uns zu finden, denn er verfolgte uns noch den halben Vormittag über, indem er mit seinem Auto hinter uns her oder neben uns und dabei auf der Autobahn Schlangenlinien fuhr, sodass wir schon Angst bekamen gleich Augenzeugen eines Verkehrsunfalls zu werden.

Um das beste aus dem überschaubaren Arsenal an Erheiterungsmöglichkeiten, die uns Saudi Arabien an diesem Tag anbieten wollte, herauszuholen, stöberten wir eine knappe Stunde in einem besonders verlassenen Rastplatz-Komplex herum und begutachteten die verlassene Moschee, die verlassenen Toiletten, das verlassene Restaurant und den verlassenen CD-Laden. In letzterem nahm Tilmann vorsichtshalber noch einen Stapel Arabic Pop Hits Sampler von 2014 bis 2018 mit. Wer konnte schon sagen, wozu diese noch nützen sollten.

Vergeblicher Versuch alleine zu sein

Wir beschlossen für diese Nacht ein einsames Plätzchen in der Wüste zu suchen, doch gerade als wir die letzten Häuser hinter uns gelassen hatten, entdeckte uns der Träger eines karmouflagefarbenen Turbans. Wir erklärten nun in der Wüste zu zelten und empfahlen uns, doch natürlich spürte er uns auf und kam gleich zwei Mal mit seinem Pickup und verschiedenen Familienmitgliedern angefahren, wobei einer der Söhne jeweils als Kameramann fungierte und verschiedene Videos aufgenommen wurden, in denen der Vater lauthals Reden schwang während wir dümmlich grinsten und unser Essen verbrannte. Die hohe Lautstärke seines Vortrag schien auch darin begründet, dass er dem nicht wenig verbreiteten Irrglauben anhing, dass auf diese Weise Sprachbarrieren zu überwinden seien. Immerhin bekamen wir als Gage eine verschrumpelte Gurke und eine Orange ausgehändigt.

Am nächsten Morgen kamen wir am Haus des schnurrbärtigen Turbanträgers vorbei und beschlossen dort um Wasser zu bitten, wurden aber kurzerhand in das Beduinen-Zelt buksiert, dass im Innenhof stand. Ja, wir beobachteten diese Form der Grundstücksgestaltung dieser Tage nicht selten. Dort, wo sich in den mittleren Breiten der stolze Eigenheimbesitzer gerne einmal einen Garten herangedeihen lässt, wird in Saudi Arabien gerne ein traditionelles Nomaden-Zelt errichtet.

Im Zelt durften wir dann einer klassischen arabischen Kaffee/Tee-Zeremonie beiwohnen. Wir saßen gemeinsam mit einem noch wichtigeren Gast (einem Scheich, der zuerst Kaffee bekam) sowie Vater und Sohn um ein offenes Feuer und bekamen aus hübschen Kannen zunächst Kaffee (der hier traditionell aufgrund seines geringen Röstgrades nicht nach Kaffee, dafür umso mehr nach dem hinzugefügten Kardamom schmeckt) und anschließend Tee gereicht, dazu natürlich Datteln. Weitere eintreffende männliche Gäste wurden mit Nasenkuss begrüßt. Die Zeremonie wurde immer wieder durch Videointerviews und gestellte Fotos kräftiger Händedrücke unterbrochen. Zur Verabschiedung musste dann noch ein Foto vom Händereichen vor dem alten Mercedes 911 gemacht werden (schließlich waren wir ja alle drei aus Deutschland), so als ob es sich um einen Staatsbesuch gehandelt hätte.

Diesen Highway hätten wir meiden sollen

Die Fahrt auf dem Highway 80 war trotz hohem Verkehrsaufkommen anfangs noch erträglich, da wir häufig auf einer Parallelstraße fahren konnten, doch am 4. Tag war es nur noch der Highway, es ging bergauf, der Wind schlug uns entgegen und die LKW verursachten Luftwirbel, die uns einige Male ziemlich ins Straucheln brachten. Der Seitenstreifen wurde löchriger und überall lagen Reifenteile.

Am Wegesrand sahen wir schauerliche Überbleibsel von Verkehrsunfällen. Einer war so frisch, dass die Bergung noch im Gange war. Dies trug nicht gerade zu unserem Wohnbefinden bei und Julia wünschte sich die schützende Polizeistreife zurück, die uns ironischerweise dort begleitet hatte, wo es ungefährlich war und dort wo es durchaus vertretbar gewesen wäre sich nicht blicken ließ. Einmal waren wir unterwegs von einer Polizeistreife angehalten worden, die uns nach Kontrolle unserer Pässe aber unbehelligt und unbegleitet hatte weiter fahren lassen.

An diesem Tag gaben wir bereits am frühen Nachmittag auf, da unsere Nerven von dem Lärm überreizt waren. Wir fanden einen anständigen Platz in einem der unzähligen verwaisten Tankstellen-Areale. Das dort gebaute Hotel, das niemals in Betrieb gegangen war, bot uns einen guten Unterschlupf und Schutz vor Wind und Lärm.

Da es noch früh war, begannen wir an unseren Rädern rumzufummeln und Tilmann bemerkte, dass sein Hinterrad extrem schwergängig war. Wir suchten nach der Ursache, bauten den Bremssockel aus und das ganze Hinterrad, bauten alles wieder zusammen und probierten rum. Drehten zur Probe immer mal wieder das Rad und dann geschah es: Wahrscheinlich vom Frust übermannt, fasste Tilmann in die Scheibe der Scheibenbremse, während das Rad noch drehte.

Ein Schrei und viel Blut auf ölverschmierten Händen. Zum Glück war die Fingerkuppe noch dran und der Schmerz hielt sich in Grenzen. Der Tag war nun schließlich völlig vermurkst.

Und wenn es einmal nicht rund läuft, dann kommt es auf jeden Fall noch schlimmer: Der nächste Tag brachte ordentlichen Wind, der den Sand über die Fahrbahn peitschte und bei jedem vorbeifahrenden LKW mussten wir unsere Lenker fest umklammern, denn der durch die LKW verwirbelte Seitenwind ließ uns wie Federknäule an einer Katzenangel herumzappeln. Nach zwei Kilometern, am nächsten Rastplatz, beschlossen wir, dass das keinen Sinn ergab. Zunächst gammelten wir dort etwas ratlos herum, dann versuchten wir LKW-Fahrer zu fragen, ob sie uns in den nächsten größeren Ort Dahlm mitnehmen konnten. Dies gelang nicht, aber immerhin gelang es uns, beim dortigen CD-Laden den Stapel CDs von vor zwei Tagen gegen eine Tube Sekundenkleber zu tauschen. Wirkliches Interesse hatte der Ladenbetreiber nicht, denn unser CD-Stapel sei „expired.“

Hitchhiken in Saudi Arabien

Wir kehrten zurück zu der geöffneten Tankstelle unweit unseres Nachtlagers mit der Idee dort entweder einen LKW zu finden. Unser Plan war in Dahlm in einem Hotel abzusteigen, dort den Sturmtag abzuwarten und bei der Weiterfahrt den Highway 80 zu verlassen. Unsere Pechsträhne sollte damit endlich durchbrochen werden. Wir fanden mit Hilfe eines unserer liebgewonnen Fans vom nun zum dritten mal besuchten Tankstellenkomplex im Handumdrehen einen willigen Fahrer. Dieser hatte aber nicht damit gerechnet, dass wir unsere Räder schadensicher in seinem Laster verstauen wollten. Dies benötigte etwas Zeit und er rief zur Eile, während uns weitere 6 Schaulustige unschlaue Tipps gaben, nicht anpackten und im Weg rumstanden.

Endlich saßen wir in der viel zu engen Fahrerkabine und es ging im Affenzahn und jedes Schlagloch mitnehmend los und wir waren froh, die Räder im Endeffekt doch anständig vertäut zu haben. 120 km ließen wir uns mitnehmen, das war die Strecke, die uns noch auf dem Highway bevorgestanden hätte. Natürlich verstießen wir damit wieder gegen unser Prinzip, wollten in dieser Ausnahmesituation aber auch nicht zu streng mit uns sein. Wir hatten die Schnauze voll und waren froh, als wir direkt am Droppoint eine billige einfache Absteige in Dahlm fanden. Die Betten waren zwar hart, aber die heiße Dusche tat gut.

Doch mit einem Hotelaufenthalt kann man sich offensichtlich nicht vom Pech befreien. Motiviert radelten wir tagsdrauf zwar los, gerieten aber nach nur wenigen Kilometern in Streit darüber, wie wir nun weiterfahren sollten. Eigentlich wollten wir ja nun den unsäglichen Highway verlassen, doch aus Richtung Süden, in die wir stattdessen fahren sollten, wehte uns straffer Gegenwind ins Gesicht. Schließlich entschied die Münze und wir nahmen die wenig befahrene Straße mit Gegenwind. Gerade, als wir uns mit diesem Schicksal abgefunden hatten, bemerkte Julia einen Platten am Hinterrad.

Ein zentimeterlanges festes Drahtstück von etwa 1,5 mm Stärke hatte sich durch den Schwalbe Marathon Plus gebohrt. Nach dem Reifenwechsel war der Morgen schon vorbei und die Weiterfahrt gestaltete sich schleppend, öde und ohne besondere Vorkommnisse. Die Wüste war hier nun vollkommen flach und ohne jede Vegetation. Hin und wieder flohen ein paar Kamele vor uns in Richtung heranbrausender LKW. Nichts bemerkenswertes geschah, außer dass wir gerade eben so einer Verhaftung entgingen.

Mit einem Bein im Knast

Wir waren etwas ratlos, wo wir in der öden Ebene ohne Sträucher, Häuser oder sonst irgendetwas, Schutz vor Sonne und Wind finden und eine Pause machen sollten, als am Wegesrand ein alter Chevrolet auftauchte, der aussah, als wäre er dort für immer angestellt worden. Die Türen zu öffnen war ein leichtes und so bereiteten wir unser Picknick im Wageninneren aus und bestaunten die versandeten Armaturen.

Als wir gerade die letzten Bissen geschluckt hatten, kam ein Auto angefahren, dessen Fahrer äußert grimmig drein blickte und uns mit einer Handbewegung (Finger umschließen Handgelenk) zu verstehen gab, dass wir für unser Vergehen bald in Handschellen abgeführt würden. Er griff zum Telefon und fuhr davon.

Wir beeilten uns nun auch, das Weite zu suchen. Allerdings hätte uns die Polizei auf dieser, der einzigen Straße weit und breit, schnell gefunden, selbst wenn sie sich erst 5 Stunden später auf die Suche gemacht hätte. Natürlich befürchteten wir dies nicht ernsthaft, denn das Auto war zwar vielleicht erst vor ein paar Wochen dort abgestellt (die Reifen hatten noch Luft und die Batterie war noch im Stande das Deckenlicht glühen zu lassen), dennoch in vollkommen desolatem Zustand und offenkundig dem Verfall preisgegeben.

Wir blieben dann aber doch auf freiem Fuß und wählten für unser Nachtlager eine mit Büschen bestandene Fläche aus. Erst als wir uns ein paar Meter von der Straße entfernt hatten, bemerkten wir, dass hier viel Müll rumlag und noch schlimmer: viele Tierkadaver. Da es schon dunkelte wählten wir zähneknirschend einen halbwegs leeren Bereich aus und waren dann doch ganz froh, das uns ein freundlicher Landwirt auf sein angrenzenden Grundstück einlud. Dieses sah zwar genauso karg aus, war aber wenigstens kadaverfrei und ein großer Tank enthielt Brauchwasser, dass wir nutzen konnten. Der Ägypter macht mit Handzeichen deutlich, dass wir hier innerhalb seines Zauns außerdem sicher vor Wölfen sein würden, die wir nachts auch heulen hörten.

Da wir über das Schlachtfeld an Tierleichen am nächsten Morgen eine Instagram-Story posteten, meldete sich sogleich unser viel wissender Follower zu Wort. Er erklärte uns, dass es vorkommen könne, dass Herden die auf Weiden eingesperrt sind Opfer plötzlich auftretender Flutereignisse werden können. Diese Erklärung konnte hier jedoch nicht zutreffen, da es sich um abschüssiges Gelände oberhalb einer Ortschaft handelte. Ob nun ein Sandsturm oder Nachlässigkeit zum Tod der vielen Tiere geführt hatte, oder diese dort gar nicht verendet, sondern lediglich abgelagert worden waren…

Wir wussten schon, dass der nächste Tag noch heftigeren Wind mit sich bringen sollte, trotzdem wollten wir soviele Kilometer schaffen, wie möglich. Es wurden 30, dann kamen wir kaum noch vom Fleck. Laut Wetterbericht war die Windgeschwindigkeit zu diesem Zeitpunkt 27 km/h und sollte in der nächsten Stunde auf 42 km/h ansteigen und bis in die Nacht hinein auf diesem Niveau anhalten. Zwischen ein paar Mauern fanden wir ein wenig überzeugenden Schutz, die 20 Kilometer bis zum nächsten Ort hätten wir aber wahrscheinlich nicht geschafft. Als wir das Zelt aufgebaut hatten und vor uns hindösten nahm der Wind zu und blies auch in unser Gemäuer haufenweise Sand und zerrte an unseren Zeltwänden.

Was sollten wir anderes tun, als auf unseren Handys herumzudrücken und so ließen wir uns mit Sand berieseln und zählten unsere Follower auf Instagram. Außerdem wies uns Marco, der den Artikel über uns geschrieben hatte darauf hin, dass ein Saudi Arabischer Influencer unseren Content und seinen Artikel gestohlen hatte, um einen Post über uns auf seinem Kanal zu veröffentlichen. Auf unsere Intervention hin verlinkte er unseren Kanal doch noch, aber da war die Aufmerksamkeit von diesem schon zu einem seiner halbstündig neu erscheinenden Posts abgewandert.

Schließlich beschlossen wir, trotz weniger Vorräte, hier auszuharren und erst weiter zu fahren, wenn der Wind nachgelassen hätte. Wenn ihr nun länger als eine Woche auf den nächsten Beitrag von uns warten müsst, heißt das wahrscheinlich, dass wir hier verhungert und vom Sand begraben sind, denn wir hatten es versäumt am Morgen noch einzukaufen. Unsere Dattelvorräte waren zum Abend hin bereits weitestgehend erschöpft: Standort.

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