na also, geht doch! 🇴🇲

Der Oman ist perfekt zum Fahrradfahren

Tag 210 bis 213 (29.10.22 bis 1.11.22)
Distanz: 351 km
Höchster Punkt: 250 m
Tiefster Punkt: 8 m
Rauf: 2.420 m
Runter: 2.390 m

Die Küstenstraße war leicht zu befahren, da flach und wenig Verkehr, und nun wurde auch die Landschaft wieder etwas sehenswerter, da die Küste durch steil abfallende Klippen geformt wurde. Mittags erreichten wir den Strand von Ras Al-Jinz, der für sein üppiges Vorkommen von Meeresschildkröten bekannt ist. Selbstverständlich war mittags nicht die geeignete Zeit für deren Beobachtung, aber die zahlreichen Spuren und sogar Eierschalen belegten, dass eine Begegnung zur richtigen Tageszeit wohl ziemlich wahrscheinlich war. Nicht nur war dieser Strand aufgrund seiner exklusiven Anwohner besonders, der Fels der nördlich an ihm aufragt, ist auch der östlichste Punkt der arabischen Halbinsel. Da wir eben sowenig damit rechneten zurück in den Iran und nach Pakistan oder mit dem Schiff nach Indien zu reisen, gingen wir nun davon aus auch den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht zu haben.

Der indische Ozean hatte besonders hier eine wunderschöne tiefblaue Farbe, die sich ganz nah am Strand in ein paradiesisches Türkis verfärbte. Große Wellen brausten auf die Felsküste und die sandigen Buchten zu und brachen in schaumiger Gicht. Das angrenzende Schildkröten-Besucherzentrum nutzten wir in der uns eigenen Art zum Verzehr selbst mitgebrachter Speisen und Getränke im schattigen Eingangsbereich und durch das Aufsuchen der WCs zum Wäschewaschen. Das Museum besuchten wir eben sowenig wie wir eine Wanderung für den Abend zum Schildkröten beobachten buchten. Zweiteres hätte sich sicherlich gelohnt, aber wir wollten nicht noch weitere 5 Stunden im Eingangsbereich verweilen. Schließlich trennte sich Tilmann noch schweren Herzens von seinem heiß geliebten McKINLEY Hemd, das von der ständigen UV-Bestrahlung inzwischen so mürbe war, dass es bei jeder falschen Berührung neue Risse verbuchte. Nach etwa zwei stündigem Verweilen brachen wir wieder auf und folgten der nun hügelig werdenden Küste.

Abends erreichten wir eine wunderschöne kleine einsame Bucht, die Julia über das Satellitenbild identifiziert hatte und die ein gutes Stück von der Straße entfernt lag. Doch der Umweg hatte sich trotz bereits bald einsetzender Dämmerung gelohnt. Wir kamen sogar noch in den Genuss eine Schildkröte zu sichten, allerdings lag sie Tod auf dem Rücken und als wir sie umdrehten fielen Maden von ihr ab. Ein zweifelhafter Genuss also. So ganz einsam war die Bucht leider doch nicht, gerade als Tilmann sich duschte kamen zwei Omanis mit ihrem geländegängigen Wagen angefahren.

Zunächst etwas genervt, die Bucht nun teilen zu müssen, fanden sich die zwei Gruppen schnell zusammen und es wurde ein netter gemeinsamer Abend am Lagerfeuer mit gesüßtem Tee und Datteln. Kahlid und sein Freund wollten zwar eigentlich fischen, unterhielten sich dann aber mit uns. So erfuhren wir, dass Kahlid 7 Geschwister hatte, mit 36 noch bei seinen Eltern wohnt, ein Rennkamel besaß und vor ein paar Jahren eigentlich seine Cousine heiraten wollte, die dann aber wegen des Einspruchs ihres Vaters einen Rückzieher gemacht hatte. Ferner erklärte er uns, dass er zwar ein paar pakistanische Freunde auf der Arbeit hatte, war aber der Meinung, dass man sich mit den Arbeitsmigranten aus Südasien zwar im Rahmen der Arbeit ein wenig anfreunden konnte, für eine tiefe Freundschaft die kulturellen Gräben aber zu tief seien. Er brachte uns auf unsere Bitte hin auch ein paar arabische Schimpfwörter bei, die wir gedachten zukünftig den omanischen Kindern zuzurufen, die im Gegensatz zu den Erwachsenen keinerlei Höflichkeit kannten.

Natürlich mussten wir um zu der Bucht zu gelangen mal wieder durch Sand schieben und Tilmann wollte die neuen Ketten nicht der zerschleißenden Wirkung der kleinen Körner überlassen. Im hübschen Städtchen Sur angelangt, wollten wir daher eine gründliche Kettenreinigung vornehmen. Dazu suchten wir eine Einrichtung mit einem Luftkompressor. Wir hatten mit dieser Methode die Kette nicht zum ersten Mal gereinigt und hatten daher schon erfahren müssen, dass dies trotz der unzähligen Autowerkstätten und -waschanlagen nicht so leicht ist. Wir klapperten also wieder einmal entsprechende Etablissements ab. Zunächst war es grundsätzlich schwierig klar zu machen, dass wir die Luft zum reinigen verwenden wollen und nicht zum Befüllen der Reifen. Hatte man dieses Missverständnis aufgelöst, indem man ca. 8 Mal das allseitsbekannte Wort „clean“ wiederholt und auf die Kette gewiesen hatte, musste man dann auch noch erklären, dass wir uns selbst um diese Reinigung kümmern würden. Dieser Wunsch kam in der 3. von uns angefragten Waschanlage, in der endlich Druckluft vorhanden war, gar nicht an und zwei Bangladeshi fingen wie wild an unsere Patrias überall abzupusten. Nach Intervention und erneuter Erklärung wurden wir jedoch abgewiesen. Erst in der 4. Anlage wurde uns der Luftschlauch etwas kritisch überlassen. Die von uns aufgrund ihre Gründlichkeit und Geschwindigkeit dennoch beliebte Methode der Antriebsstrangreinigung funktioniert so:

Zunächst müssen die Taschen entfernt werden und die hintere Scheibenbremse abgedeckt werden, z.B. indem man eine Plastiktüte herumwickelt oder Pappe zwischen Speichen und Bremse klemmt. Auch unter dem Fahrrad ist es je nach Untergrundbeschaffenheit ratsam Pappe unterzulegen. Dann wird unter Drehung der Kette gegen den Freilauf WD40 auf den Antriebsstrang aufgetragen bis das Gemisch aus Öl, Metallabrieb und Dreck beginnt satt herabzutropfen. Dieses kann dann per peniblem Drucklufteinsatz aus allen Winkeln und Positionen aus Kette, Kassette und Kettenblättern heraus geblasen werden.

Trotz der langwierig Luftsuche und einem anschließenden dringend nötigen Mittagessen (mit anschließender Preisdiskussion) schafften wir es an diesem Abend noch ins untere Drittel des malerischen Wadi Tiwi. Wir sprangen in einen der ersten Pools, wo sogleich wieder eifrige Fische begannen an unserer Hornhaut zu knabbern, und schlugen unser Zelt direkt daneben auf einer halbwegs ebenen Steinplatte auf. Dieser Platz war zwar von der Straße gut sichtbar, aber auch wunderschön und viel los war sowieso nicht. Ja, auch hier unten schon war das Wadi wirklich eine Augenweide, aber wir ahnten noch nicht welche Pracht sich uns am kommenden Morgen noch bieten sollte. Alle Vorbeifahrenden grüßten uns sehr freundlich und uns wurde nach Einbruch der Dunkelheit noch angeboten, uns weiter mit in die Schlucht hinein zu nehmen. Wir hatten aber genug für heute und wollten einen entspannten Abend zwischen den Palmen, Felsen und Wasserbecken genießen.

Da es schon wenige hundert Meter nach unserem Lagerplatz offenkundig extrem steil den Berg hochging, entschieden wir uns am nächsten Tag die Fahrräder stehen zu lassen und die ca. 7 km bis zum Wasserfall am oberen Ende des Wadis zu trampen. Als wir dafür fast bereit waren, hielt auch schon ein Pickup und der aufgeregte Fahrer fragte, ob wir mit ihm fahren wollten, um uns „swim, Waterfall“ zu widmen. Zunächst sagten wir ihm, er solle weiterfahren, da wir auch ein späteres Fahrzeug nehmen könnten, aber er lies nicht locker und so packten wir hektisch alles zusammen und schlossen die Fahrräder ab.

Auf der Ladefläche des Pickups hatten sich mittlerweile auch einige Bauarbeiter aus Bangladesch eingefunden, die zu ihrem Arbeitsplatz auf einer Baustelle wollten. Wir durften vorne sitzen und der lustig aufgelegte Fahrer mit Palituch-Turban erklärte bei jeder steilen Passage: „no go cycle“. Diese schmale sich ums Tal windende Straße mit dem Fahrrad zu fahren, wäre wirklich geisteskrank gewesen. Nicht nur ging es ständig unvorstellbar steil bergauf und bergab, auch herrschte überraschend viel Verkehr, der, so die Erklärung unseres Chauffeurs, auf „taxi, school“ zurückzuführen war. Tatsächlich wäre die Straße für einen Schulbus unpassierbar gewesen und so wurden die Kinder aus den weiter oben liegenden Dörfern mit Geländewagen zur Schule gebracht. Wir genossen die motorisierte Fahrt nach oben, die tatsächlich hier und da sogar etwas Nervenkitzel zu bieten hatte und machten auch brav jedes mal ein paar Fotos, wenn wir dazu aufgefordert wurden.

Im letzten Dorf angekommen, stieg der Fahrer mit uns aus und führte uns einige Treppen und Wege hinab zu dem Wasserfall. Dieser war wirklich atemberaubend schön und wir sprangen sogleich in das klare Wasser und ließen uns vom herabprasselnden Wasser den Nacken massieren. Allerdings ahnten wir nun mittlerweile, dass wir nicht wirklich per Anhalter gefahren waren, sondern einem selbsternannten Touristen-Guide aufgesessen waren, der wohl für seine Dienste entlohnt werden wollte.

Als der Fahrer uns nun bereitwillig zurück fahren wollte, tatsächlich drängte er uns zur Eile, taten wir überrascht, dass auch er nun zurück fahren wollte, schließlich war er ja gerade erst in seinem Heimatdorf angekommen. Er nannte seinen Preis von 10 Rial (gut 27 Euro), „no Problem“. Eine kleine Auseinandersetzung begann, bei der wir unsere Empörung deutlich übertrieben spielten, hatten wir es doch schon seit einigen Minuten geahnt. Um unsere Entschlossenheit zu demonstrieren, stapften wir auch bald davon, nachdem wir ihm erklärt hatten, dass wer Geschäfte machen will, von vorne herein mit offenen Karten zu spielen habe. Der Rückweg zu Fuß hätte wahrscheinlich einen halben Tag gedauert, doch der Fahrer folgte uns und bot nun doch an, uns auch umsonst zu fahren. Die Stimmung auf der Rückfahrt schien dann auch zunächst im Eimer, aber irgendwann begann er dann doch wieder damit uns auf die Schönheit des Tals hinzuweisen. Schließlich gaben wir ihm 2 Rial, was wir als angemessen erachteten.

Wir nahmen nun Kurs auf Muscat, wobei wir nach kurzer Zeit schon am nächsten sehenswerten Wadi Al Shab vorbei kamen, in das wir einen kurzen Blick wagen wollten. Doch schon nahe seiner Mündung ins Meer musste jeder Reisende sein Straßenfahrzeug stehen lassen und sich per Boot auf die andere Seite des Wadis fahren lassen, von wo aus man es hinauf wandern konnte. Für die etwa 150 Meter weite Überfahrt war 1 Rial pro Person zu entrichten und so waren wir sicher, dass wir mit unserem etwa einstündiger Ausflug ins Wadi Tiwi ein gutes Geschäft gemacht hatten.

Wir fuhren nun lieber weiter, denn jedes Wadi kann man sich nun auch nicht anschauen und zudem sollte auch das nächste Naturspektakel nicht mehr fern sein. Am Nachmittag erreichten wir die Doline Hawiyyat Nadschm. Um das 20 m tiefe Loch im Kalkstein mit ovalem Umriss und einem Durchmesser 40 m war von einem Park umgeben, aber an dieser Stelle muss man auch einmal eine Lanze für die Iraner brechen, Parkgestaltung können sie besser. Wir stiegen herab in die den mit Salzwasser gefüllten Karsttrichter und glitten zu den anderen Touristen aus Deutschland und Italien ins Wasser. Ja dachten wir, der Oman hat sich doch nach der kurzen Durststrecke recht schnell rehabilitiert.

Im Anschluss hatten wir jedoch noch einige langgezogenen Hügel zu erklimmen, der einfach kein Ende nehmen wollte. In der Nachmittagshitze waren wir im Nu Schweiß gebadet und fluchten uns Meter um Meter nach oben. Nun überquerten wir ein Wadi nach dem anderen, was hier aufgrund dem Ausbaustand der Straße allerdings über Brücken möglich war und nicht wie im Hadschar-Gebirge eine ständige Berg- und Talfahrt erforderlich machte. Aus Mangel an Alternativen nächtigen wir mal wieder in einem Stadtpark, nachdem wir uns dazu zweimal die Erlaubnis beim Wärter eingeholt hatten. Als er uns dennoch erklärte, dass der Park um 23 Uhr schließe, waren wir uns bis zuletzt nicht sicher ob er mit „no problem“ wirklich gemeint hatte, dass Schlafen im Zelt kein Problem darstellte oder ob es sich um seine Universalantwort handelte, wenn er etwas nicht verstand, grundsätzlich aber weitestgehende Harmlosigkeit unterstellte.

Wir teilten die Grünfläche mit einer großen Schar von Katzen, die mit allen Wassern gewaschen waren und sich daher auch von feuchten Spritzern aus den Trinkflaschen nicht aus dem Bettelkonzept bringen ließen. Wir durften jedenfalls über Nacht bleiben.

Dann war der Tag gekommen an dem wir unser 3. Etappenziel Muscat erreichen sollten. Wir waren nun 17 Tage ohne Ruhetag unterwegs und mussten noch 125 km hinter uns bringen. In Muscat wollten wir uns etwas ausruhen und die Weiterreise planen. Gar hatten wir die wage Hoffnung, dass wir von hier aus doch noch ein Schiff nach Afrika finden könnten, etwa ein Segelschiff oder eine Yacht eines steinreichen Golfstaatlers.

Da wir über warmshower nur Absagen erhielten, hatten wir uns mal wieder bei Couchsurfing eingeloggt und einen Volltreffer: Luke empfing uns am Abend des 213. Tages unserer Reise in seinem 3-stöckigen Haus, indem wir unser eigenes Zimmer mit Bad bekamen. Fast hätten wir diesen Volltreffer verfehlt, denn wir waren ganz aus dem Osten über die Autobahn 17 in die Stadt eingereist, um nicht den bedrohlich aufragenden Bergrücken südlich von Muscat überqueren zu müssen, über den die neue Autobahn geführt wurde.

Muscat ist eine absurd in die Länge gezogene Stadt, die sich über 50 km am Golf von Oman erstreckt, obwohl sie nur etwas über 600.000 Einwohner zählt. Das ist der großzügigen Bauweise und einer noch schlechteren Stadtplanung als in Dubai geschuldet, die immer wieder riesige Brachflächen zwischen den niedrigen Villen mit großen Grundstücken zulässt. Luke wohnte nun dummerweise am westlichen Ende der Stadt hinter dem Flughafen und der lange Weg zu ihm über Highways ging uns nachdem wir schon 85 km in den Knochen hatten ziemlich schnell gehörig auf die Nerven. Schon wollten wir uns ein Hotel buchen, da wir bei unserem Couchsurfing Host ohnehin nur zwei Nächte bleiben konnten, eigentlich aber wegen den anstehenden Planungen und sich ggf. ergebenden Wartezeiten einen längeren Aufenthalt in der omanischen Hauptstadt vorgesehen hatten.

Zum Glück bissen wir aber auf die Zähne zusammen und suchten uns eine halbwegs passablen Weg durch die Stadt, sodass wir unsere Ankunft im dritten Etappenziel am 1. November nach insgesamt 11.524 Km beim perfekten Gastgeber feiern konnten. Denn nicht nur hatten wir eigenes Zimmer und Dusche, zu allem Überfluss führte uns Luke auch gleich nachdem wir geduscht hatten zum Essen aus, und bat uns soviel zu bestellen, wie wir wollten, da er die Rechnung übernehmen würde. Bei dieser Einladung blieb es nicht. In seinem Profil hatte er geschrieben, er sei kein Hotel. Stimmt, denn es war besser als in einem Hotel, mussten wir bei der ein oder anderen Badeeinlage am Swimmingpool feststellen.

Hier könnt ihr unsere bisher zurück gelegte Route und (meistens) unseren aktuellen Standort sehen.

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4 Gedanken zu “na also, geht doch! 🇴🇲

  1. Ihr seid immer noch spindeldürr. Kaut doch Mal Kokosfett oder so. 😉
    Und wiegt euch Mal. So schlank werdet ihr vermutlich nie wieder sein. Also nur Mal so, für eure eigene “Statistik”…
    Couchsurfing? Das gibt es noch?!
    Hach, das weckt Erinnerungen…. 🙂

    1. Wir sind mit der Dürre zufrieden, passt doch zur Landschaft. Abgesehen davon sahen wir eigentlich schon immer so aus. Couchsurfing ist noch nicht tot, inzwischen aber kostenpflichtig, also die Plattform nimmt Geld, nicht die hosts…

      1. lange her… hat sich deswegen damals so manches zerstreut? 🤔
        manche sind ja zu bewelcome gegangen , aber dort war es nicht mehr das selbe.

  2. Ihr seid immer noch spindeldürr. Kaut doch Mal Kokosfett oder so. 😉
    Und wiegt euch Mal. Also nur Mal so für eure eigene Statistik. So schlank werdet ihr vermutlich nie wieder sein.
    Mir ist tatsächlich jetzt erst aufgefallen, dass ihr auch vorne Fahrradständer habt.
    Couchsurfing? Das gibt es noch?!
    Hach, das weckt Erinnerungen….

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