Tag 85 bis 88 (26.06. bis 29.06.23)
Distanz: 33 km (∑ 5.246 km)
Höchster Punkt: 530 m
Tiefster Punkt: 30 m
Rauf: 90 m
Runter: 580 m
…es war der Muezzin und nicht die Nachtigall…es war der Presslufthammer und nicht der Muezzin…es war die Müllabfuhr und nicht der Presslufthammer. OK, mit Ohropax kann man irgendwie auch in Trabzon schlafen.
Trabzonspor ist 2022 zum ersten Mal seit 38 Jahren türkischer Meister geworden. Damit hat die Stadt bereits mehr Aufmerksamkeit bekommen, als sie für die nächsten 38 Jahre verdient hat.
Da wir drei dort allerlei Dinge zu erledigen hatten und erwarteten, dass eine Stadt am Schwarzen Meer schon irgendetwas zu bieten haben muss, buchten wir uns für 4 Tage im Grand Luxury Appartement 61 ein. Der gut 30 km lange Weg vom Campingplatz bei Sümela war schnell absolviert, da es zum Meer auf der Hauptstraße komfortabel bergab ging.
Die erst Ernüchterung stellte sich gleich bei der Ankunft ein, da unsere Ferienwohnung in einem von Autowerkstätten dominierten Gewerbegebiet lag. Um das richtige Haus zu finden (ein heruntergekommenes Hochhaus an einer Kreuzung zweier Hauptstraßen) bedurfte es dann fast einer halben Stunde. Das Zimmer war trotz unserer Vorankündigung nicht fertig und wir warten noch gut eine Stunde in der „Bar“ mit einigen dort herumlungernden Menschen mittleren Alters, die alle offenbar in irgendeiner Art und Weise in Verbindung mit dem Geschäftsmodell Grand Luxury Appartement 61 standen. Sie machten keinen geschäftstüchtigen Eindruck und leider sprach auch niemand Englisch.
Allerdings wollten sie uns Deutsche zum Trinken animieren, da es in der Bar aber keine Getränke gab, erwarteten sie offenbar, dass wir welche besorgten und sie dann einluden. Als wir erklärten, dass wir gedachten abends ins Kino zu gehen, waren Enttäuschung und Spott gleichermaßen groß und die Versammlung löste sich langsam auf. Der Kinobesuch in der nahegelegenen Mall (Top Gun Maverick) war dann auch schon das Highlight unseres Aufenthaltes in Trabzon.
Kathrin kümmerte sich um Ersatz für ihre neue Felge (eine Investition an der sie leider nicht lange Vergnügen haben sollte, wie ihr im übernächsten Beitrag erfahren werdet), während wir am nächsten Tag das Iranische Konsulat aufsuchten. Dort erklärten wir unser Anliegen, dass wir bereits ein Visum hatten und nur noch dessen Gültigkeit, also den Zeitpunkt der spätesten Einreise verlängern wollten. Man erklärte uns, dass wir ein neues Visum bräuchten und der Preis bei 75 Euro pro Person läge. Wir insistierten, dass die Kosten bei 50 Euro liegen müssten (so viel hatten wir auch in Frankfurt gezahlt), was nach erneuter „Prüfung“ bestätigt wurde. Dann ging es um die Frage wie viel Zeit uns nach der Ausstellung denn zur Einreise bliebe, was mit 45 Tagen beantwortet wurde. Unsere Frankfurter Visa waren nach der Ausstellung 90 Tage gültig und das neue Visum hätte uns daher keinen Vorteil verschafft. Denn unser Plan war ja nun erst Ende September in den Iran zu reisen und nicht bereits Anfang August (vgl. rekorde).
Wir hielten das aber ohnehin für ein Missverständnis, denn 45 Tage sind die Zeit die man nach Einreise im Land verbringen darf. Dies erklärten wir mehrere Male auf immer neuen Wegen und unter Zeigen auf die entsprechenden Einträge der uns bereits vorliegenden Visa, aber der Konsul blieb stur bei den 45 Tagen und machte auch klar dass hier kein Abweichen möglich sei.
Wir erklärten darauf hin, dass unter diesen Umständen ein neues Visum aus Trabzon keinen Sinn ergäbe, wir es in Tiflis versuchen würden und zogen unverrichteter Dinge wieder ab.
In unserem Appartement war inzwischen der Strom ausgefallen und kehrte bis zum Abend nicht zurück. Unser mehrmaliges Anzeigen dieses Problems, wurde erst erhört, nachdem wir auch die bereits angefragte Bezahlung für die Zeit nach dem Stromausfall (der nur in unserem Apartment herrschte) in Aussicht stellten. Dafür floss das Wasser im Bad kaum noch ab, sodass sich in den Tagen unseres Aufenthaltes dort ein permanenter Wasserpegel von ca. 2 cm einstellte (wie so oft gab es auch in diesem Badezimmer keine Duschkabine, sondern die Brause war an der Wand neben dem WC angebracht, der Abfluss war in der Mitte des Raumes).
In der 2. Nacht lauerte der Kopf der Luxus-Appartment-Bande Tilmann auf der Treppe auf und forderte (offenbar von Magenkrämpfen gepeinigt) die Bezahlung der Miete und die Herausgabe der zweiten Kochplatte, die wir von einer seiner Kolleginnen bekommen hatten. Tilmann stellte die Bezahlung nach einem Bankbesuch am Folgetag in Aussicht, verweigerte aber die Herausgabe der zweiten Kochplatte, da bei beiden jeweils nur eine Flamme in Takt war. Missmutig zog unser Vermieter von dannen, wohl auch weil er seine Magenkrämpfe nicht mehr auszuhalten schien.
Da wir im Wäscheraum einen Eimer entdeckt hatten und Beobachtet hatten, dass bei Eintreten in die Bar Dinge auf den Tischen versteckt wurden, vermuteten wir, dass der arme Kerl auf Turkey war und daher so dringend das Geld benötigte.
Als Tilmann am nächsten Tag Geld abheben wollte, wurde seine Kreditkarte eingezogen und bekam sie erst nach einer Stunde zähen Verhandlungen zurück. Der Bankmitarbeiter beharrte darauf, der Pass sei kein probates Dokument, dass Tilmann als rechtmäßigen Eigentümer ausweise, da die Passnummer nicht auf der Kreditkarte stünde. Nach der nicht wahrheitsgemäßen Angabe über keine weitere Karte zu verfügen und nach der Unterzeichnung einer Verzichtserklärung auf Ansprüche gegenüber der Bank, wurde ihm die Karte wieder ausgehändigt.
Da Trabzon keinen Zugang zum Meer hat und die Stadt auch sonst nichts zu bieten hat, wo man gerne seine Zeit verbringt, hielten wir es wie die anderen Besucher der Stadt, die offenbar mehrheitlich aus den Golf-Staaten angereist waren und suchten mehrfach die Mall auf. Auch Restaurants, Cafés oder Bars waren nur spärlich gesät in dieser Küstenstadt und nur der Besuch einer Waffel-Kette letztendlich zufriedenstellend. Nur aufgrund einer Fehlplanung als wir zum Konsulat wollten, verirrten wir uns an den wohl einzigen schönen Ort in Trabzon, einen Aussichtspunkt hoch oben am Hang gelegen.
An Tag 3 holte Kathrin ihr Visum ab und oh Wunder, sie hatte nun 90 Tage Zeit in den Iran einzureisen und durfte sich 45 Tage dort aufhalten! Am Ende unserer langen Diskussion im Konsulat am Vortag, hatten wir uns für die Dummen gehalten. Nun hatte sich herausgestellt, dass es offenbar doch unser Gesprächspartner gewesen war.
So eilten Julia und Tilmann an Tag 4 in Trabzon erneut zum Konsulat und ließen sich ebenfalls neue Visa ausstellen. Der Mitarbeiter grinste triumphierend und stellte herablassend fest, dass wir es uns ja doch noch anders überlegt hätten. Wir verzichteten auf eine Klarstellung.
Immerhin schaffte Tilmann in den 4 Tagen noch den längst überfälligen Friseurbesuch, der sehr zufriedenstellend ausfiel.
Unerfreulich war allerdings, dass unsere Fahrräder wohl mehrfach im Treppenhaus umgeschmissen wurden, denn jedesmal wenn wir sie auspackten war die Gangschaltung verstellt oder die Hörner verborgen.
So waren wir heilfroh, als wir an Tag 5 dieses 800.000 Einwohner Elend in Richtung Georgien verlassen konnten.
















Also offensichtlich: schnell weg , keine empfehlenswert Adresse.
Aber Gratulation für den Frisör!
In Lindlar ist der beste Frisör auch Türkei bewurzelt.
Mal sehen was in Armenien so geht.