ja, wir waren in dubrovnik 🇭🇷🇲🇪

Tag 29 bis 32 (1.05. bis 4.05.22)
Distanz: 204 km (∑
2.384 km)
Höchster Punkt: 360 m
Tiefster Punkt: 30 m
Rauf: 2.870 m
Runter: 2.960 m

Wie geneigte Leser*innen in unserem letzten Beitrag bereits lesen konnten, haben wir es nicht über’s Herz gebracht nicht in Dubrovnik halt zu machen, obwohl das sogar ein kurzer Umweg war. Es war so schlimm wie befürchtet, sowohl was die bereits angesprochenen Preise betrifft, als auch die Touristenmassen und das entsprechende Angebot. Trotzdem wollten wir das UNESCO-Weltkulturerbe nicht nur unsere Hinterreifen sehen lassen und begaben uns früh am Tag in die historische Altstadt. Um 8 Uhr morgens ging es dort noch relativ gemütlich zu, wir erkundeten ein wenig die Gassen und ließen uns dann in einem Café nieder, das offensiv mit Free W-LAN warb. Genau unser Ding, Baby. Der Kaffee war außerdem gut und preislich normal. So verbrachten wir zwei bis drei Stunden mit Reisebericht schreiben, Insta-Stories posten und Fotos sortieren. In der Zwischenzeit füllte sich die Stadt mit geführten Reisegruppen und Sportler*innen, die an einem Stadt-Lauf teilnahmen. Als Tilmann in einem nahegelegenen Supermarkt noch etwa einkaufen wollte und vor ihm in der Schlange ca. 20 Amerikaner jeweils eine Dose Bier kaufen wollten, beschlossen wir nun doch das Weite zu suchen.

Unser Weg führte uns weiter die wunderschöne Adria-Küste entlang. Die Reisebusse-Fahrer stellten sich dabei als noch respektloser heraus als LKW-Fahrer und man bekam den Eindruck, sie hätten uns am liebsten mit ihrem Seitenspiegel von der Küstenstraße den Abhang hinunter ins türkisblaue Meer geschubst. Unser Ziel für heute war ein Host, den wir über warmshowers.org aufgetan hatten und der ca. 40 Kilometer entfernt von Dubrovnik seinen Garten als Zeltplatz anbot. Als wir dort nach einem letzten sehr anstrengenden Schlussanstieg ankamen stellte sich jedoch heraus, dass es dort nicht wie versprochen WiFi gab (ohne das wir ja bekanntlich nicht auskommen), außerdem kaum Strom und der Platz für Zelt ca. 100 Meter einen steinigen Pfad hinauf lag. Ein Schattenplatz war in dem zugerümpelten „Garten“ auch nicht zu finden; wir wurden empfangen von drei schlaff im Wohnzimmer sitzenden rauchenden Männern, die vorgaben gemeinsam den Tag der Arbeit zu feiern. Alles wirkte nicht besonders einladend auf uns und so empfahlen wir uns und beschlossen doch lieber den nächstgelegenen Campingplatz aufzusuchen. Dieser war in einer ruhigen Bucht gelegen und wir verbrachten einen entspannten Abend dort, froh über die Entscheidung noch hierhergekommen zu sein.

An diesem Tag begann es, dass wir erstmals andere Bikepacker trafen. Die ersten sprachen uns bereits in Dubrovnik an (Franzosen), sie hatten sich über den QR-Code an Tilmanns Tasche bereits mit unserer Reiseroute vertraut gemacht. Auf einer Straße etwas abseits der Küste kam uns dann eine weitere Frauen-Gruppe entgegen (Nationalität unbekannt) und wir sahen eine Gruppe an uns vorbeifahren (augenscheinlich Deutsche, da sie DHL-Trikots trugen). Auf dem Campingplatz lernten wir schließlich noch einen fahrradreisenden Londoner kennen, der seinen Trip erst am selben Tag in Dubrovnik begonnen hatte.

In der Nacht erwachten wir, als die ersten Regentropfen an unserem Zelt klopften. Hecktisch sprangen wir auf, da wir unsere Wäsche draußen aufgehängt hatten. Wäschewaschen ist eines unserer größten Probleme auf der Reise. Nur selten bietet sich dafür eine Möglichkeit. Mittlerweile hatten wir alles mehrfach durchgeschwitzt und es wurde grenzwertig sich mit dieser Kleidung noch in der Nähe anderer Menschen aufzuhalten. Der Campingplatz hatte zwar auf seiner Webseite eine Waschmaschine versprochen, diese war aber kaputt (anscheinend schon seit zwei Jahren, denn eine Google-Bewertung hatte dies bereits 2020 bemängelt). So wuschen wir das Nötigste mit der Hand und da nun drei Tage lang die Sonne vom Himmel gelacht hatte, konnten wir uns nicht vorstellen, dass es noch einmal regnen könnte. Das nächtliche Tröpfeln wurde allerdings zu einem ergiebigen langanhaltenden Regen, unsere halbgetrockneten Sachen konnten wir nur ins Vorzelt legen, der Trocknungsprozess war damit aber unterbrochen. Auch am Morgen wollte der Regen nicht aufhören. Wir gaben schließlich auf, auf besseres Wetter zu warten, packten unsere nassen Sachen ein und fuhren durch den Regen Richtung Montenegro. In der ersten Stadt (Herceg Novi) nach dem Grenzübertritt angekommen flüchteten wir vor dem Regen in ein Tankstellen-Café, bekamen einen leckeren Kaffee und freuten uns darüber, dass dieses Land den Euro als Währung nutzt und wir uns nicht ums Geldbesorgen kümmern mussten – Im Gegensatz zu uns freut sich die EU nicht darüber, dass Montenegro den Euro einseitig eingeführt hat. Der Wetterbericht versprach keine Aussicht auf Besserung und wir quartierten uns in einer günstigen Unterkunft mit freundlicher Hausdame ein und streamten das erste Mal seit einem Monat mal wieder einen Film (wie wir feststellen mussten, funktionieren jedoch die meisten Mediatheken und Streaming-Portale im nicht EU-Ausland nicht).

Am nächsten Morgen schaute schon wieder die Sonne zwischen den Wolken durch und wir machten uns auf das neue Land zu entdecken. Die Küste von Montenegro ist landschaftlich wunderschön, wir radelten zwischen hohen Bergen mit schroffen Felsen und blauem Meer. Die meisten Orte an der Küste sind leider einer verfehlten touristischen Entwicklung zum Opfer gefallen, wobei sich Ort an Ort reiht und es kaum einen unbebauten Fleckchen gibt. Alte verfallende Hotels reihen sich neben Bauruinen, daneben werden Neubauten hochgezogen, darunter findet man Souvenirläden mit viel Plastikware. Der Ort und der Campingplatz, den wir schließlich ansteuerten, war da die große Ausnahme: Ruhiger Ort, schöner Campingplatz und wunderschöne leere Bucht. Das Beste: Der Campingplatzbetreiber wollte keinen Cent von uns, anscheinend weil er einfach Sympathie für unsere Fahrradreise empfand. Unabhängig davon ist der Campingplatz so oder so zu empfehlen: Camping Maslina.

Die so gesparten Euros investierten wir dann am nächsten Tag in einen Restaurants-Besuch zu Mittagszeit: Einmal wollten wir uns auch – wie das alle Anderen auch machen – direkt am Meer bedienen lassen und auf die Adria blicken. Wir beobachteten an vielen Lokalen am Strand die emsige Saisonvorbereitung bevor wir uns vom Meer verabschiedeten und uns von Bar aus auf den Weg Richtung Albanien machten.

Wer diesen Beitrag nur leidlich interessant fand, dem können wir nur beipflichten: An der Adria war es schön, mehr gibt es kaum zu sagen. Wir versprechen aber, dass es über Albanien wieder Bemerkenswerteres zu berichten geben wird.

4 Gedanken zu “ja, wir waren in dubrovnik 🇭🇷🇲🇪

  1. Hallo Julia! Vielen Dank für die schönen Bilder u. Die neuesten Nachrichten von Eurer Fahrradtour. Alles Gute, viel Spaß bleibt gesund. LG auch an Tilmann Deine Tante Greti u. Günter

    1. Super oder Kommentar von greti und Günter. Auch wir freuen uns schon auf den nächsten Bericht. Grüsse Mama und Papa . Z.z. in lengries.

  2. Ich bin froh wieder up to date zu sein mit euren Beiträgen und vermisse euch jetzt doch langsam. Das erinnert teilweise doch schon sehr an unsere gemeinsamen Leidenstouren. Schrecklich bis es irgendwann wieder unglaublich schön wird. Das schreckliche für die Geschichten später und das schöne lässt es einen immer wieder machen.
    Hoffe ihr verhungert nicht noch aus Versehen irgendwo. Passt auf euch auf!

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